Theaterpreise des Vereins wurden verliehen

Vor einem gespannten Publikum wurden im Schauspielhaus der WLB die Theaterpreise des Vereins der Freunde der WLB verliehen, die von einer Jury unter Mithilfe weiterer Mitglieder ermittelt worden waren.

Christa Müller lobte zunächst die höchst gelungene erste Spielzeit von Intendant Friedrich Schirmer und dankte ihm und der ganzen WLB für die gute Zusammenarbeit. Friedrich Schirmer bekannte, dass diese Saison die schönste Spielzeit war, die er als Intendant erlebt habe.

Dr. Wolfgang Clauß erzählte in Gedichtform welches das beliebteste Stück geworden war: „Weihnachten an der Front“. „Auf Todesfeldern zwischen Gräben der Schützen plötzlich entstand Leben.“ Ein großartiges Ensemble unter der Regie von Klaus Hemmerle.

Der beliebteste Schauspieler wurde von Monika Wille auf schwäbisch gekürt. „Er isch komma, er hat gseha, er hat gwonna.“ Da entstand auf der Bühne das Großfoto von Martin Theuer, der sich als „Untertan“ oder in „Der Frauenarzt von Bischofsbrück“

in die Herzen der Zuschauer gespielt hat und nachweislich das Schwäbische bestens beherrscht.

Die beliebteste Schauspielerin, Kristin Göpfert, stellte Erich Saam vor. Ihre Spielweise sei vornehm leise, manchmal aber auch ordinär oder sentimental. Ihr rauchiger Gesang habe den Ausschlag gegeben. Zum Beispiel in „Woyzeck“ und „Weihnachten an der Front“.

Ingrid Vandrée verriet, dass das ausgezeichnete Kinderstück der Jungen WLB, „Die drei Räuber“, Eltern und Großeltern genauso viel Freude machte wie dem Nachwuchs. Besonderes Lob gab es für die ins Stück perfekt integrierten Puppenspielerinnen. Ulrike Jahn-Sauner überreichte Marco Süß, dem Leiter der Jungen WLB, für seine Ausdauer bei der Einführung des „Kulturrucksacks“, der Esslinger Schülern u.a. einen Theaterbesuch an der WLB möglich macht, einen Sonderpreis.

Die Wiederkehr des Postmichels

Der Besuch der Theaterproben von Freilichtstücken gilt schon seit Jahren als Highlight im Vereinsjahr. Das war auch diesmal beim „Postmichel“ nicht anders.

Eine große Zahl von Mitgliedern erfuhr im Podium II der WLB von der stückbegleitenden Dramaturgin Anna Gubiani, wie das Stück entstand.

Postmichel und Marchtlers Neffe

Postmichel und Marchtlers Neffe

Felix Huby schrieb es als Auftragsstück. Ein Schwabe, der die Region und ihre Sprache kennt und der auch einer der erfolgreichsten deutschen Fernsehautoren ist, z.B. des Tatorts mit Kommissar Bienzle. Die Theaterplastikerin Karen Kreuselberg demonstrierte anschaulich, wie der überdimensionierte, liegende Kopf – ein erheblicher Teil des Bühnenbilds – entstand.

Bühnenbildnerin Karen Kreuselberg erklärt ein Bühnenbild

Bühnenbildnerin Karen Kreuselberg erklärt ein Bühnenbild

Es zeigte sich, dass einige Mitglieder den „Postmichel“ bereits 1958 als WLB-Aufführung vor dem Esslinger Alten Rathaus gesehen und manche sogar als Statisten mitgewirkt haben. Kein Wunder , dass der Verein der Freunde schon vor 14 Jahren erstmals der WLB vorgeschlug, den „Postmichel“ wieder als Freilichtstück zu spielen. Umso größer die Freude, dass dies in der ersten Schirmer-Spielzeit Wirklichkeit wird.

Auf dem Kessler-Platz, bei wunderbar sommerlichen Temperaturen, begrüßte Intendant Friedrich Schirmer die Vereinsmitglieder und lobte sie als besonders kompetente Zuschauer. Auch Regisseur Klaus Hemmerle freute sich auf die konstruktiv-kritische Runde.

Bedeutender Fund

Bedeutender Fund

Diese erlebte, wie Ausgräber in der heutigen Zeit einen ganz besonderen Fund machen, bevor die Zeit sich um 500 Jahre zurückdreht und der Postmichel in einer Wirtshausrunde beginnt von seinem gefundenen Ring zu erzählen. Eine eindrucksvolle Mischung aus Historia, Gesang und engagierten Schauspielern in einer wunderbaren Kulisse.

Die Zuschauer waren sehr wohl betroffen, dass einige der Esslinger aus Geldgier den Postmichel über die Klinge springen lassen. Sie sahen die Probe bis zur Pause im endgültigen Stück und erlebten noch, wie der Postreiter geköpft wird. Jetzt steigt die Spannung auf die tatsächliche Aufführung. Ingrid Vandrée vom Verein dankte allen für diese gelungene Theaterprobe.

Nach der Malerei noch Theater sei

Einmal im Jahr besucht der Verein traditionell eine andere Esslinger Kultureinrichtung. Diesmal war es gleich ein kultureller Doppelpack.

Nach der Malerei noch Theater sei

Susanne Weckerle und Petra Weimer
Foto © Ingeborg Rieber

Den Auftakt bildete der Besuch der Galerie 13 in der Webergasse, wo Galerieleiterin Margrit Luick-Gregorius ein interessiertes Publikum über die wechselvolle Geschichte der Galerie in den wunderbaren Gemäuern informierte. Richarda Grözinger, eine Tochter des 1984 verstorbenen Esslinger Kunstmalers Otto Luick, führte in die Ausstellung „Otto Luick, Kriegsgefangenschaft, Zeichnungen, Aquarelle“ ein. In den Bildern ihres Vaters werden die zerfurchten Gesichter der Gefangenen lebendig. Der mitgefangene Otto Dix zeichnete im Lager auch einmal Otto Luick.

Von der Galerie aus ging’s weiter in den Kutschersaal der Stadtbücherei, wo die Schauspielerinnen Susanne Weckerle und Petra Weimer den Blick in die deutsche Geschichte mit dem Zwei-Personen-Stück „Große, kleine Schwester“ von Peter Härtling fortsetzten. Die Schwestern Ruth und Lea, geboren 1907 und 1908 in Brünn, sind Zeuginnen des 20. Jahrhunderts und zweier Kriege. Ihr gemeinsames Dasein verläuft alles andere als harmonisch, dennoch können sie nicht voneinander lassen. Die beiden Frauen nahmen die begeisterten Zuschauern mit auf eine Zeitreise von ihrer Kindheit in Mähren bis zur Gegenwart in Schwaben.

Wolfgang Clauß vom Verein dankte den Galeristinnen und den Schauspielerinnen für den höchst gelungenen Abend und verband in Gedichtform unter dem Motto „Nach der Malerei noch Theater sei“ zwei künstlerische Richtungen. Die Besonderheit: Der Vater von Wolfgang Clauß stand als junger Leichtathlet Otto Luick Porträt und durch seine Großeltern kannte er jeden Winkel der Härtlingschen Erzählung in Nürtingen. Kein Wunder, dass noch viele Theaterfreunde mit den Galeristinnen und Schauspielerinnen persönliche Erfahrungen austauschten, eine Wiederkehr in die Galerie versprachen und speziell der ehemaligen WLB-Schauspielerin Susanne Weckerle für ihren Start am Theater in Ulm ganz herzlich die Daumen drückten.