Nächste Veranstaltungen

Talk mit Schauspielerinnen und Schauspielern

Für Januar 2023 ist wieder ein Talk mit Schauspielerinnen und Schauspielern der Württembergischen Landesbühne geplant.

Näheres wird noch bekannt gegeben.

 

 

Trauer um Helga Bauer-Taler

Helga Bauer, die in der Zeit von 1970 bis 1993 festes Ensemblemitglied der WLB war, ist gestorben. Viele Theaterfreundinnen und Theaterfreunde erinnern sich noch gut an diese großartige Schauspielerin und an ihre herrliche Schauspielkunst und gleichzeitig natürlich auch an ihren Ehemann, den großartigen Schauspieler Horst Taler, der ebenfalls langjähriges Ensemblemitglied der WLB war.

Wir werden uns an Helga Bauer, die auch eine wunderbare Theaterfreundin war, immer gern und dankbar erinnern.

Trauer um Bernd Daferner

Bernd Daferner, der über 18 Jahre lang Vorsitzender des Vereins war, ist im Alter von 77 Jahren gestorben.

Er war der Mann, der am meisten für den Verein getan hat. Wann immer man ihm begegnete, war es eine Begegnung mit dem Theaterverein.

Vorläufer des Vereins war die Bürgerinitiative „Die WLB muss bleiben“, die Bernd Daferner im Jahr 1998 mit gründete. Der Anlass war die drohende Schließung einer der drei Landesbühnen, von denen die WLB ob ihrer Nähe zur Landeshauptstadt am gefährdetsten war. Die am Ende erfolgreiche Bürgerinitiative um Bernd Daferner sammelte 24 000 Unterschriften für den Erhalt der WLB und 800 Theaterbegeisterte bildeten eine Menschenkette um die WLB, eine der größten Solidaritätsaktionen für ein deutsches Theater. Bernd Daferner sorgte dafür, dass im Anschluss daran 1999 der Verein gegründet wurde mit dem Ziel der ideellen und finanziellen Förderung der Belange der WLB.

Diese Ziele immer vor Augen führte er den Verein mit großer Leidenschaft. Wichtig war ihm der enge Kontakt zwischen der von ihm so geliebten WLB und ihrem Publikum. Und so hatten für ihn Talks mit den Intendanten, mit der Dramaturgie und mit Schauspielerinnen und Schauspielern einen ganz hohen Stellenwert. Sehr am Herzen lag ihm auch, dass junge Menschen frühzeitig die Möglichkeit haben, an die Kultur herangeführt zu werden. Aus diesem Grund war ihm die Unterstützung der Projekte Kulturrucksack und WLB-Klassenkasse immer wichtig.

Dank seines Ideenreichtums kam es zu vielen spannenden Veranstaltungen. Als Beispiel sei nur das Großereignis 2014 „150 Jahre festes Theater in Esslingen“ mit nahezu 40 Programmpunkten in der Innenstadt und in der WLB genannt.

Wir werden unseren wunderbaren Theaterfreund Bernd Daferner und die schönen Begegnungen mit ihm dankbar in guter Erinnerung behalten.

Bernd Daferner

Zurückliegende Veranstaltungen

Der Verein hat zum elften Mal Theaterpreise verliehen

Zu Beginn der Spielzeiteröffnung „Spaziergang durch den Spielplan“ wurden die Theaterpreise des Vereins für die vergangene Spielzeit verliehen. Wolfgang Clauß führte wieder in Versen ein, an deren Ende es heißt: 

Ensemble, Stücke, wunderbar!

Darum fiel der Jury die Wahl

Nicht leicht, wie es in jedem Jahr

Ist, Jury, dreizehn an der Zahl.

Es nehmen, ich halt‘ Sie nicht auf,

Die Laudationes ihren Lauf!

In der Kategorie „Schauspielerin“ ehrte Wolfgang Clauß Elif Veyisoglu.

Sie sei eine großartige Schauspielerin. Bewundernswert sei, wie sie die Charaktere ihrer Figuren ganz hervorragend und einprägsam zu treffen vermöge. Ihr Auftreten sei sprachlich und darstellend stets überzeugend, ob sie in „Tod eines Handlungsreisenden“ als heimliche Geliebte Lomans eine sehr selbstbestimmte Frau spiele oder im Beziehungsdrama „Und wer nimmt den Hund“ in anspruchsvollen Dialogen ebenso stark auftrete wie in Szenen der Sprachlosigkeit, ob sie in „Geschlossene Gesellschaft“ als Postangestellte Inés die Höllenqualen der Schicksalsgemeinschaft erleide oder in „Die Freibadclique“ grandios die Kriegerwitwe Britta spiele oder dort als Badedame einfach, aber eben gerade nicht nur einfach, da sei.

Sie sei auch eine überragende Verwandlungskünstlerin, man denke beispielsweise an ihre drei Rollen in „Die Biene und der Kurt“, die beängstigend strenge Heimleiterin Kämmerle, die Dorfbeizerin Ruppoldinger und den Bauer Erwin, oder an ihre verschiedenen Rollen in „Frank der Fünfte“.

Unvergessen seien vor allem auch ihre Lady Milford in „Kabale und Liebe“, ihre Mutter Frank in „Das Tagebuch der Anne Frank“, ihre sehr einfühlsam gespielte und meisterhaft charakterisierte Rosa Luxemburg in „Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark“. Und ob Jung oder Alt: Wie habe sie uns doch alle als Scrooge in „Frohe Weihnachten“ begeistert, dessen Verwandlung sie glänzend dargestellt habe. Sie sei eine wunderbare Schauspielerin.

Natascha Richter ehrte in der Kategorie „Schauspieler“ Markus Michalik , der einen mit seiner Energie und seinem herausragenden Spiel begeistere und in den Bann ziehe. Er werfe sich mit Haut und Haar und all seinem Können in seine Rollen und mache sich diese voll und ganz zu eigen. Er nehme uns dabei mit auf eine Achterbahn der Gefühle, man leide mit ihm, man lache, man sei unangenehm berührt, habe Mitleid, bekomme Angst, Markus Michalik spiele die Partitur der Emotionen gekonnt mit enormer Ausdrucksstärke und man nehme ihm alles ab. Im Moment der Darstellung sei er seine Bühnenfigur. Mit großer Selbstverständlichkeit und feiner Sensibilität für die Charaktere fülle Markus Michalik, der einfach alles spielen könne, von ernst bis urkomisch, ohne jemals ins Lächerliche abzugleiten, seine Rollen aus.

So habe er als eifriger Kollege und TV-Experte Denis Domaschke in „Goodbye Lenin“ amüsiert, sei absolut überzeugend als widerlicher Graf Helldorff in „Der große Hanussen“ gewesen und habe grandios den Sohn Biff verkörpert, der in „Tod eines Handlungsreisenden“ verzweifelt um die Anerkennung seines Vaters ringe. Und nicht zuletzt könne er sich auch noch hervorragend bewegen, tanzen und singen, wie er als – mit dem Teufel paktierender – Wilhelm in „The Black Rider“ erneut unter Beweis gestellt habe.

Markus Michalik treffe mit seiner Präsenz und seiner Kraft das Publikum unmittelbar mit voller Wucht. Er lasse einen nicht kalt, weshalb ihm für sein einnehmendes vielseitiges Spiel der Preis verliehen werde.

Monika Wille hielt die Laudatio in der Kategorie „Inszenierung“, in der „Gehen oder der zweite April ausgezeichnet und damit als Regisseur Hans-Ulrich Becker und als Ausstatterin Stefanie Seitz geehrt wurden.

Die Thematik dieses Stückes von Jean-Michel Räber enthalte eine große menschliche Tiefe und eine gesellschaftliche Brisanz. Die unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten seien hervorragend, glaubwürdig, bewegend, für den Zuschauer nachvollziehbar dargestellt worden. Schon bei ihrer Rückfahrt nach Hause und noch Tage danach hätten sich ihr die Fragen gestellt: „Was wäre, wenn? Kann man das seinen Kindern zumuten? Darf man das überhaupt so tun und bestimmen? Hat man ein Recht zum Suizid?“ Eine Antwort habe sie keine gefunden oder immer nur ein „Jein“.

Die Inszenierung von Hans-Ulrich Becker mit dem Bühnenbild und den Kostümen von Stefanie Seitz sei empathisch berührend. 

Angela Richter händigte den Preis in der Kategorie „Kinder- und Jugendtheater“ der Leiterin der Jungen WLB Laura Tetzlaff aus. Ausgezeichnet wurde „Das jährliche Zustandekommen einer großartigen Gemeinschaftsproduktion WLB/Junge WLB seit der Spielzeit 2014/2015“.

Anlass für die Auszeichnung sei das in der letzten Saison unter der Regie von Christine Gnann aufgeführte Stück „Die Freibadclique“gewesen, das uns sehr stark beeindruckt habe, nicht zuletzt wegen der überzeugenden Darstellungen der Akteure der Jungen WLB.  Verstärkt durch das Spiel der Schauspieler und Schauspielerinnen der WLB und das ausdrucksstarke Bühnenbild habe uns „Die Freibadclique“ in seiner anfänglichen Unbeschwertheit und gleichzeitigen Beklemmung das Jahr 1944 miterleben lassen. Das selbstverständliche Verschmelzen der Darsteller der jugendlichen Protagonisten auf dem Weg zum Erwachsenwerden mit den Akteuren der „großen“ WLB zu einem Ensemble sei bewundernswert.

Die Gemeinschaftsproduktionen mit ihrer hohen Qualität würden Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen begeistern und böten für diejenigen, die sonst nur wenig Kontakt zum Kinder- und Jugendtheater hätten, eine gute Möglichkeit, einen Einblick in die exzellente Arbeit und die hervorragenden Leistungen der Jungen WLB zu bekommen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit betreffe „Supergute Tage“, „Punk Rock“, „Das Tagebuch der Anne Frank“, „Auerhaus“, „Backbeat“, „Die Biene und der Kurt“, „Was man von hier aus sehen kann“ und jetzt „Die Freibadclique“. Sie sehe der nächsten Gemeinschaftsproduktion freudig gespannt entgegen.

In der Kategorie „Sonderpreis“ wurde ausgezeichnet, „dass an der WLB viele und durchweg wunderbare Musikalische Produktionen zu sehen sind“.

Frank Schwarz führte in seiner Laudatio aus, schon in den vergangenen Jahren habe die musikalische Gestaltung Produktionen geadelt, aus einem interessanten ein ganz besonderes Theaterstück gezaubert. Man denke an „Ring of Fire“, „Doctor Faustus Magical Circus Part II“, „Die Schnabeltassen“ „Ein Sommernachtstraum“, „Elvis“ oder „Back Beat“, wobei die Reihe noch lang weitergeführt werden könnte.

Und doch habe es zweier herausragender Produktionen in dieser Spielzeit bedurft, um die Musikalische Abteilung unseres Theaters in das Blickfeld der Jury zu rücken: „EWIG JUNG“ UND „THE BLACK RIDER“. Ersteres, das Songdrama von Erik Gedeon, das die WLB unter der Musikalischen Leitung von Oliver Krämer in ein Seniorenheim verwandelt habe, in dem die herrlichen Songs der 70-er- und 80-er Jahre in unglaublicher Dynamik zum Leben erweckt worden seien und der Pianist nicht nur virtuos sein Klavier bedient habe, sondern zu einem kongenialen Mitspieler geworden sei.

Und „The Black Rider“, dessen Vorlage „Freischütz“ durch die Bühnenmusik von Tom Waits auf das Feinste entstaubt worden sei, – und dies unter der musikalischen Leitung von Edgar Müller-Lechermann, dem die Kunst gelungen sei, die komplexen Kompositionen des Tonkünstlers Waits mit einem Klein-Kollektiv von 6 hochkarätigen Musikern darzubieten.

Und es gäbe noch eine Vielzahl wunderbarer musikalischer Produktionen aus den zurückliegenden Spielzeiten, die es wert wären, in Erinnerung gerufen zu werden. Man bewundere die Musikalischen Leiter dieser Produktionen, die so oft aus der kleinsten Nische, der kleinsten Besetzung so Großes hervorbrächten und die aus grandiosen Schauspielerinnen und Schauspielern – bisweilen unerwartet – wunderbare Sänger/innen und Musiker/innen werden ließen.

Er sage dazu nur: Einen vielfachen Tusch und unseren besonders herzlichen Glückwunsch zu dem Sonderpreis dieser Spielzeit.

Ein herrlicher Probenbesuch auf dem Kessler-Platz

Nach einer langen coronabedingten Pause ermöglichten uns die Intendanten Marcus Grube und Friedrich Schirmer, wieder einmal eine Probe der Württembergischen Landesbühne zu besuchen: „The Black Rider“ auf dem Kessler-Platz. Friedrich Schirmer freute sich sehr, unglaublich viele Theaterfreunde endlich wieder bei einer Probe begrüßen zu können.

Zunächst führte die stückbegleitende Dramaturgin Barbara Schöneberger im Podium 2 der Württembergischen Landesbühne sehr fundiert, klar und gleichzeitig unterhaltsam in das Stück ein. Die Schilderung der Entstehung des Stücks und der anschauliche Einblick in Leben und Werk von Tom Waits waren eine sehr gute Vorbereitung für den Besuch der Probe und auch für die Aufführung.

Das Probenerlebnis war ein Genuss. Es war insofern etwas ganz Besonderes, als man sicher selten Gelegenheit hat, Probenabschnitte, bei denen rhythmische Schrittfolgen und Abläufe einstudiert werden, zu sehen. Die Arbeit der Choreografin Annika Dickel war sehr beeindruckend. Und ebenso beeindruckend war, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler die Anweisungen mit Freude umsetzten. Die große Spielfreude aller und die tolle Stimmung im Ensemble waren herrlich anzusehen.

Sehr schön war auch, dass uns in einer kurzen Pause Regisseur Christoph Biermeier und der Musikalische Leiter Edgar Müller-Lechermann so nett begrüßten. Und Christoph Biermeiers lobende Worte über das wunderbare Theater Württembergische Landesbühne und sein großartiges Ensemble, man möge dies alles sehr schätzen, lösten großen Beifall aus.

Der Besuch des schönen Probenabends wird noch lange nachhallen. Man spürte, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer glücklich waren, wieder einmal ganz nah an der WLB dran zu sein, was nach einer langen Probenbesuchspause sehr gutgetan hat. Und sichtbar war die große Vorfreude auf die Aufführungen.

Sabine Bräuning und Reinhold Ohngemach im Gespräch

Bei der gut besuchten Mitgliederversammlung betonte Dr. Wolfgang Clauß als Vorsitzender zunächst erneut, sich über das wunderbare, rundum faszinierende Theater WLB zu äußern heiße, sich in ständigen Superlativen zu bewegen.

Er berichtete über die durchgeführten Veranstaltungen des Vereins, die Besuche von Theaterproben, einen gemeinsamen Theaterabend, Theaterpreisverleihungen, eine Matinee „Regisseurinnen und Regisseure im Gespräch“, den Besuch des LIMA, die Begleitung der WLB auf den Abstecher „Das K“ in Kornwestheim und über einen Online-Gesprächsabend mit den beiden Intendanten Friedrich Schirmer und Marcus Grube. Ferner berichtete er über die Ausstellung „20 Jahre Verein der Freunde der WLB“. Und schließlich ging er auf die ideelle und finanzielle Förderung der Belange der WLB, das satzungsgemäße Hauptziel des Vereins, ein.

Schatzmeister Dr. Thomas Dietz erstattete den Kassenbericht. Otto Blumenstock trug als Kassenprüfer mit lobenden Worten den Prüfbericht vor. Auf seinen Antrag erfolgte die Entlastung des gesamten Vorstands.

Unter der Wahlleitung von Roland Geltz wurde folgender Vorstand gewählt:

Dr. Wolfgang Clauß als 1. Vorsitzender, Bernd Daferner und Christa Müller als Stellvertreter*in, Dr. Thomas Dietz als Kassenführer, Barbara Braun-Nickel als Öffentlichkeitsreferentin und Natascha Richter als Schriftführerin.

Der große Höhepunkt der Mitgliederversammlung war das von Dr. Clauß moderierte Gespräch mit Sabine Bräuning und Reinhold Ohngemach, einer wunderbaren Schauspielerin und einem wunderbaren Schauspieler, an deren großen Schauspielkunst wir uns an der WLB schon seit vielen Jahren erfreuen. Die Theaterfreunde erlebten einen kleinen Reigen der Schauspielgeschichte des Ehepaars, das sich während der ersten Esslinger Intendanz Friedrich Schirmers kennenlernte. Man durchdrang gesprächsweise viele Inszenierungen, an denen die beiden beteiligt waren und sind. Sehr erfrischend war, diese Inszenierungen noch einmal und vor allem auch aus der Sicht Sabine Bräunings und Reinhold Ohngemachs erleben zu dürfen. Und in dem lebendigen und heiteren Gespräch erfuhr man auch, dass sie gern in Inszenierungen zusammen spielen. Sehr interessant war die Darstellung des Reizes der Bühne einerseits und des Filmens andererseits, und hervorgehoben wurde auch die so schöne unsichtbare Kommunikation zwischen Publikum und Schauspielerin und Schauspieler, die es naturgemäß nur beim Theater gibt. Am Ende erzählte Sabine Bräuning, die selbst schon einige Stücke – auch an der WLB – inszenierte, von den Reizen, zu inszenieren. Das abschließende Dankesgedicht von Dr. Clauß gipfelte in Bezug auf das wunderbare Gespräch mit den Versen „Denn das ist spannend, köstlich und – viel mehr noch: eine Feierstund‘.“

Sabine Bräuning und Reinhold Ohngemach, Foto: Dr. Thomas Dietz

Ein sehr interessantes Gespräch mit den Intendanten der WLB

Das war eine sehr schöne Idee der Intendanz, die Mitglieder des Vereins der Freunde der WLB zu einem Online-Gespräch mit dem Thema „Theater in Corona-Zeiten – Rückblick und Aussicht“ einzuladen.

Die Intendanten Marcus Grube und Friedrich Schirmer gaben zunächst einen Rückblick auf die bedauerliche Beeinträchtigung der Jubiläumsspielzeit 2019/2020 durch die Corona-Pandemie, beginnend mit der Absage einer ausverkauften Vorstellung der Inszenierung „Das Licht“ Mitte März 2020, einer Geschichte, in der es – als habe man das Hereinbrechen des Virus geahnt – um die große Krankheit, verursacht durch Flöhe im Kaninchenfell, geht. In Erinnerung gerufen wurde der hoffnungsvolle Wiederbeginn am 20. Juni 2020 mit den großartigen Inszenierungen „Antigone“ und „Die Mitwisser“ auf der Basis eines ausgeklügelten Hygienekonzepts für Schauspieler*innen und Publikum, der ebenso hoffnungsvolle Start in die Spielzeit 2020/2021 u.a. mit den herrlichen Produktionen „Der Vorleser“ und „Die Biene und der Kurt“, aber auch der erneute Lockdown und die bisher letzte Vorstellung der laufenden Spielzeit am 31. Oktober 2020, wieder „Das Licht“.

Bedauerlich ist natürlich auch, dass die Pandemie den Spielbetrieb der Jungen WLB, die Schulkooperationen, Lesekisten und Klassenzimmerstücke gleichfalls nach wie vor heftig beeinträchtigt.

Leider hat Corona das ganz große Ergebnis bei den Besucherzahlen der Jubiläumsspielzeit verhindert, konnte die WLB bis zum Lockdown im März 2020 doch schon 76 406 Zuschauer verzeichnen!

Darin, dass ein Theater im Netz das analoge Theatererlebnis nicht ersetzen kann, waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig. Dennoch freut man sich an der WLB und im Theaterverein, dass es z.B. „Quaranszenen“, „Der goldne Topf“ und „Ein ganzes Leben“ online gab und die WLB vom 1. bis 31. Mai 2021– mit Unterstützung des Vereins der Freunde der WLB – „Wunder in Amerika“ online zeigt, die Verfilmung einer wunderbaren Inszenierung aus der ersten Intendanz Friedrich Schirmers an der WLB.

Schön zu hören war, dass die Stimmung an der WLB sehr gut ist, was sicher auch damit zusammenhängt, dass Proben stattfinden können, freilich stets nach täglicher Testung und unter Beachtung strenger Corona-Regeln, und die Werkstätten durchgearbeitet haben. So sind doch etliche Stücke schnell abrufbar, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden darf. Dass die Umstände Letzteres bald wieder zulassen, hofft man an der WLB und im Verein natürlich sehr.

Ein glanzvolles Theater, wunderbar

Traditionell verleiht der Verein der Freunde der WLB zu Beginn der Eröffnungsmatinee der WLB „Spaziergang durch den Spielplan“ seine Theaterpreise für die zurückliegende Spielzeit. Nach reiflicher Überlegung hatte der Vorstand des Vereins entschieden, diesmal keine Preisverleihung vorzunehmen, obwohl man auch in der Spielzeit 2019/2020 wieder sehr beeindruckende Inszenierungen sehen konnte und ein großartiges Ensemble mit tollen schauspielerischen Leistungen zu erleben war. Grund für diese Entscheidung war, dass wegen der Corona-Pandemie nicht alle Stücke, die im Spielplan vorgesehen waren, aufgeführt werden konnten.

Aber der Vereinsvorstand hatte eine andere Auszeichnung parat, nämlich ein Dankeschön an die gesamte WLB für all das, was sie bietet und überhaupt dafür, dass es dieses wunderbare, glanzvolle, herausragende Theater gibt. Begleitet wurde das verbale Dankeschön von einer Zuwendung gemäß den Zielen des Vereins in Höhe von 3.000 € für Projekte der WLB, wovon die Hälfte der Arbeit der Jungen WLB zugutekommen soll.

Der 1. Vorsitzende des Vereins Wolfgang Clauß überreichte im Anschluss an die Dankesworte Intendant Friedrich Schirmer sein Gedicht „Ein Dankeschön der WLB“, von dem er einige Strophen vortrug. Die Strophen 4 bis 6 des Gedichts lauten:

Doch soll, weil Virus Basis uns genommen,
Die Freude am Theaterpreisverleih’n,
Von dem Verein der Freunde gar nichts kommen?
Besond’res Jahr, drum muss Besond’res sein!
Und man besann sich alsbald darauf wie
Gar schwer so oft entschied sich die Jury,

Weil inszeniert so hohe Qualität,
Weil insgesamt Ensemble Kostbarkeit,
Weshalb man oftmals gern verleihen tät
Der Preise viele, die Besonderheit:
Kein Preis diesmal, vielmehr in diesem Falle
Ein Dankeschön der WLB, an alle,

Der WLB, für das, was uns geboten
Wird, dies von allen und das Jahr für Jahr,
Herausragend, stets nur mit besten Noten,
Ein glanzvolles Theater, wunderbar.
Und ein Theater, das man einfach liebt.
Ein Dankeschön heut‘, dass es dieses gibt.

Wieder ein sehr interessanter Probenbesuch

Unser zweiter Probenbesuch in der laufenden Spielzeit galt „Antigone“ von Sophokles. Wolfgang Clauß konnte wieder viele Theaterfreunde willkommen heißen, die alle sehr gespannt auf die Probe waren. Einige hatten schon in der Schulzeit erstmals Berührung mit dieser Tragödie.

Anna Gubiani, die stückbegleitende Dramaturgin, führte die Besucher sehr gründlich, tief gehend und gleichzeitig sehr unterhaltsam in das griechische Theater und in das Stück ein. Sehr anschaulich war die Darstellung der Bauform des griechischen Theaters, des Platzes für die Aufführungen, bestehend aus der Orchestra und der Bühne, und des Zuschauerraums. Ebenso spannend war die Schilderung der Entstehung, Funktion und Bedeutung des Chors in der griechischen Tragödie. Und interessant war zu erfahren, dass die damaligen Zuschauer die Geschichte, die einem Stück zugrunde lag, in der Regel kannten, aber nun auf die jeweilige Auslegung sehr gespannt waren. Wunderbar war schließlich auch Anna Gubianis Erzählung der Vorgeschichte zu Antigone und des zur Problematik des Stücks führenden Geschehens.

Nach dieser tollen Vorbereitung erlebten wir im Schauspielhaus unter der Regie von Alexander Müller-Elmau eine sehr spannende Probenarbeit. Geprobt wurde die Szene mit dem heftigen Dialog zwischen Kreon und seinem Sohn Haimon, dem Verlobten Antigones, und die Szene mit dem anschließenden Auftritt Antigones. Äußerst beeindruckend war, mit welcher Sorgfalt und Gründlichkeit in den Szenen gearbeitet wurde.

Und für die Theaterfreunde war es wieder ein großartiger Probenabend.

SOUND FOR EUROPE im LIMA

Die gute Tradition des Vereins, einmal im Jahr eine andere Esslinger Kultureinrichtung zu besuchen, fand auch in diesem Jahr ihre Fortsetzung. Der Besuch galt dem kleinsten Theater der Region, dem LIMA, dem Literarischen Marionettentheater, im Herzen der Stadt. Wir entschieden uns für die Inszenierung „SOUND FOR EUROPE“. Das Interesse der Mitglieder war so groß, dass Andreas Weiner, der Leiter des Theaters, für uns erfreulicherweise zwei Vorstellungen an einem Abend anbot.

Zunächst führte Andreas Weiner sehr ausführlich und unterhaltsam in die interessante Geschichte des Gebäudes, in dem sich das Theater in einer mittelalterlichen Hauskapelle mit Kreuzrippengewölbe befindet, ein. Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Zunfthaus der Schuhmacher. Danach schilderte er, wie es im Jahre 1984 zur Gründung des Theaters durch Wilhelm Praetorius, damals Schauspieler an der WLB, kam.

„SOUND FOR EUROPE“ ist die wunderbare Jubiläumsinszenierung zum 30-jährigen LIMA-Bestehen. Der 4. Satz der im Jahr 1824 uraufgeführten 9. Sinfonie Beethovens gibt hierbei den Takt vor, der Satz, in dem Beethoven Schillers 1785 verfasste Ode „An die Freude“ vertonte. Die Inszenierung beinhaltet eine Zeitreise durch die europäische Geschichte, macht die europäische Idee deutlich und ist auf der Suche nach der idealen Welt. Hauptakteure sind Schiller und Beethoven und Hauptthema ist die Vision von Freiheit und Gleichheit. Andreas Weiner führt die beiden Figuren meisterhaft und zu hören sind die von uns allen geschätzten Schauspieler*in Andrea Hörnke-Trieß (Voice Over), Martin Theuer (Beethoven) und Achim Hall (Schiller).

Im Anschluss an die herrliche Vorstellung nahmen die Besucher gern die Gelegenheit wahr, noch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Und alle Teilnehmer waren vom Besuch im LIMA total begeistert.

LIMA: SOUND FOR EUROPE; Schiller und Beethoven. Foto: Thomas Dietz