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Ein sehr interessantes Gespräch mit den Intendanten der WLB

Das war eine sehr schöne Idee der Intendanz, die Mitglieder des Vereins der Freunde der WLB zu einem Online-Gespräch mit dem Thema „Theater in Corona-Zeiten – Rückblick und Aussicht“ einzuladen.

Die Intendanten Marcus Grube und Friedrich Schirmer gaben zunächst einen Rückblick auf die bedauerliche Beeinträchtigung der Jubiläumsspielzeit 2019/2020 durch die Corona-Pandemie, beginnend mit der Absage einer ausverkauften Vorstellung der Inszenierung „Das Licht“ Mitte März 2020, einer Geschichte, in der es – als habe man das Hereinbrechen des Virus geahnt – um die große Krankheit, verursacht durch Flöhe im Kaninchenfell, geht. In Erinnerung gerufen wurde der hoffnungsvolle Wiederbeginn am 20. Juni 2020 mit den großartigen Inszenierungen „Antigone“ und „Die Mitwisser“ auf der Basis eines ausgeklügelten Hygienekonzepts für Schauspieler*innen und Publikum, der ebenso hoffnungsvolle Start in die Spielzeit 2020/2021 u.a. mit den herrlichen Produktionen „Der Vorleser“ und „Die Biene und der Kurt“, aber auch der erneute Lockdown und die bisher letzte Vorstellung der laufenden Spielzeit am 31. Oktober 2020, wieder „Das Licht“.

Bedauerlich ist natürlich auch, dass die Pandemie den Spielbetrieb der Jungen WLB, die Schulkooperationen, Lesekisten und Klassenzimmerstücke gleichfalls nach wie vor heftig beeinträchtigt.

Leider hat Corona das ganz große Ergebnis bei den Besucherzahlen der Jubiläumsspielzeit verhindert, konnte die WLB bis zum Lockdown im März 2020 doch schon 76 406 Zuschauer verzeichnen!

Darin, dass ein Theater im Netz das analoge Theatererlebnis nicht ersetzen kann, waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig. Dennoch freut man sich an der WLB und im Theaterverein, dass es z.B. „Quaranszenen“, „Der goldne Topf“ und „Ein ganzes Leben“ online gab und die WLB vom 1. bis 31. Mai 2021– mit Unterstützung des Vereins der Freunde der WLB – „Wunder in Amerika“ online zeigt, die Verfilmung einer wunderbaren Inszenierung aus der ersten Intendanz Friedrich Schirmers an der WLB.

Schön zu hören war, dass die Stimmung an der WLB sehr gut ist, was sicher auch damit zusammenhängt, dass Proben stattfinden können, freilich stets nach täglicher Testung und unter Beachtung strenger Corona-Regeln, und die Werkstätten durchgearbeitet haben. So sind doch etliche Stücke schnell abrufbar, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden darf. Dass die Umstände Letzteres bald wieder zulassen, hofft man an der WLB und im Verein natürlich sehr.

Sichere Probenbedingungen an der WLB

Dem Verein der Freunde der WLB ist es leider noch nicht möglich, wie in der Zeit vor der Coronapandemie alle paar Wochen zu einer Veranstaltung einzuladen, zum Besuch einer Theaterprobe der WLB, zu einem Gespräch mit den Intendanten, mit Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Dramaturg*innen, Bühnenbildner*innen oder zu einer Lesung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Aber der Vorstand und der Beirat des Vereins hoffen, dass die Umstände in nicht allzu ferner Zukunft solche Veranstaltungen und damit ein schönes Vereinsleben wieder zulassen.

Hocherfreut haben allerdings der Vorstand und Beirat des Vereins die Botschaft vernommen, dass an der WLB der Probenbetrieb wieder begonnen hat. Geprobt wird derzeit das für diesen Sommer auf der Maille geplante Freilichtstück „Was ihr wollt“ (vgl. dazu auch den sehr schönen Artikel von Elisabeth Maier in der Eßlinger Zeitung und in der Stuttgarter Zeitung, jeweils vom 3. März 2021), „Amsterdam“ und betreffend die Junge WLB „Leon zeigt Zähne“ sowie Lesekisten.

Das geht naturgemäß nur unter erschwerten Bedingungen, wobei coronabedingt nicht unerhebliche Mehrkosten anfallen, wird doch beispielsweise vor jeder Probe – täglich – getestet. Man kann sich gut vorstellen, wie hoch die coronabedingten zusätzlichen Kosten ausfallen. Da es auch dem Verein ein großes Anliegen ist, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler sichere Probenbedingungen haben und sorgenfrei proben können, war es ihm wichtig, diese Tests finanziell zu unterstützen.

Der Verein der Freunde der WLB freut sich darauf, die sicher wieder wunderbaren Ergebnisse der Probenarbeit auf der Maille und im Schauspielhaus erleben zu dürfen.

Ein glanzvolles Theater, wunderbar

Traditionell verleiht der Verein der Freunde der WLB zu Beginn der Eröffnungsmatinee der WLB „Spaziergang durch den Spielplan“ seine Theaterpreise für die zurückliegende Spielzeit. Nach reiflicher Überlegung hatte der Vorstand des Vereins entschieden, diesmal keine Preisverleihung vorzunehmen, obwohl man auch in der Spielzeit 2019/2020 wieder sehr beeindruckende Inszenierungen sehen konnte und ein großartiges Ensemble mit tollen schauspielerischen Leistungen zu erleben war. Grund für diese Entscheidung war, dass wegen der Corona-Pandemie nicht alle Stücke, die im Spielplan vorgesehen waren, aufgeführt werden konnten.

Aber der Vereinsvorstand hatte eine andere Auszeichnung parat, nämlich ein Dankeschön an die gesamte WLB für all das, was sie bietet und überhaupt dafür, dass es dieses wunderbare, glanzvolle, herausragende Theater gibt. Begleitet wurde das verbale Dankeschön von einer Zuwendung gemäß den Zielen des Vereins in Höhe von 3.000 € für Projekte der WLB, wovon die Hälfte der Arbeit der Jungen WLB zugutekommen soll.

Der 1. Vorsitzende des Vereins Wolfgang Clauß überreichte im Anschluss an die Dankesworte Intendant Friedrich Schirmer sein Gedicht „Ein Dankeschön der WLB“, von dem er einige Strophen vortrug. Die Strophen 4 bis 6 des Gedichts lauten:

Doch soll, weil Virus Basis uns genommen,
Die Freude am Theaterpreisverleih’n,
Von dem Verein der Freunde gar nichts kommen?
Besond’res Jahr, drum muss Besond’res sein!
Und man besann sich alsbald darauf wie
Gar schwer so oft entschied sich die Jury,

Weil inszeniert so hohe Qualität,
Weil insgesamt Ensemble Kostbarkeit,
Weshalb man oftmals gern verleihen tät
Der Preise viele, die Besonderheit:
Kein Preis diesmal, vielmehr in diesem Falle
Ein Dankeschön der WLB, an alle,

Der WLB, für das, was uns geboten
Wird, dies von allen und das Jahr für Jahr,
Herausragend, stets nur mit besten Noten,
Ein glanzvolles Theater, wunderbar.
Und ein Theater, das man einfach liebt.
Ein Dankeschön heut‘, dass es dieses gibt.

Wieder ein sehr interessanter Probenbesuch

Unser zweiter Probenbesuch in der laufenden Spielzeit galt „Antigone“ von Sophokles. Wolfgang Clauß konnte wieder viele Theaterfreunde willkommen heißen, die alle sehr gespannt auf die Probe waren. Einige hatten schon in der Schulzeit erstmals Berührung mit dieser Tragödie.

Anna Gubiani, die stückbegleitende Dramaturgin, führte die Besucher sehr gründlich, tief gehend und gleichzeitig sehr unterhaltsam in das griechische Theater und in das Stück ein. Sehr anschaulich war die Darstellung der Bauform des griechischen Theaters, des Platzes für die Aufführungen, bestehend aus der Orchestra und der Bühne, und des Zuschauerraums. Ebenso spannend war die Schilderung der Entstehung, Funktion und Bedeutung des Chors in der griechischen Tragödie. Und interessant war zu erfahren, dass die damaligen Zuschauer die Geschichte, die einem Stück zugrunde lag, in der Regel kannten, aber nun auf die jeweilige Auslegung sehr gespannt waren. Wunderbar war schließlich auch Anna Gubianis Erzählung der Vorgeschichte zu Antigone und des zur Problematik des Stücks führenden Geschehens.

Nach dieser tollen Vorbereitung erlebten wir im Schauspielhaus unter der Regie von Alexander Müller-Elmau eine sehr spannende Probenarbeit. Geprobt wurde die Szene mit dem heftigen Dialog zwischen Kreon und seinem Sohn Haimon, dem Verlobten Antigones, und die Szene mit dem anschließenden Auftritt Antigones. Äußerst beeindruckend war, mit welcher Sorgfalt und Gründlichkeit in den Szenen gearbeitet wurde.

Und für die Theaterfreunde war es wieder ein großartiger Probenabend.

SOUND FOR EUROPE im LIMA

Die gute Tradition des Vereins, einmal im Jahr eine andere Esslinger Kultureinrichtung zu besuchen, fand auch in diesem Jahr ihre Fortsetzung. Der Besuch galt dem kleinsten Theater der Region, dem LIMA, dem Literarischen Marionettentheater, im Herzen der Stadt. Wir entschieden uns für die Inszenierung „SOUND FOR EUROPE“. Das Interesse der Mitglieder war so groß, dass Andreas Weiner, der Leiter des Theaters, für uns erfreulicherweise zwei Vorstellungen an einem Abend anbot.

Zunächst führte Andreas Weiner sehr ausführlich und unterhaltsam in die interessante Geschichte des Gebäudes, in dem sich das Theater in einer mittelalterlichen Hauskapelle mit Kreuzrippengewölbe befindet, ein. Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Zunfthaus der Schuhmacher. Danach schilderte er, wie es im Jahre 1984 zur Gründung des Theaters durch Wilhelm Praetorius, damals Schauspieler an der WLB, kam.

„SOUND FOR EUROPE“ ist die wunderbare Jubiläumsinszenierung zum 30-jährigen LIMA-Bestehen. Der 4. Satz der im Jahr 1824 uraufgeführten 9. Sinfonie Beethovens gibt hierbei den Takt vor, der Satz, in dem Beethoven Schillers 1785 verfasste Ode „An die Freude“ vertonte. Die Inszenierung beinhaltet eine Zeitreise durch die europäische Geschichte, macht die europäische Idee deutlich und ist auf der Suche nach der idealen Welt. Hauptakteure sind Schiller und Beethoven und Hauptthema ist die Vision von Freiheit und Gleichheit. Andreas Weiner führt die beiden Figuren meisterhaft und zu hören sind die von uns allen geschätzten Schauspieler*in Andrea Hörnke-Trieß (Voice Over), Martin Theuer (Beethoven) und Achim Hall (Schiller).

Im Anschluss an die herrliche Vorstellung nahmen die Besucher gern die Gelegenheit wahr, noch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Und alle Teilnehmer waren vom Besuch im LIMA total begeistert.

LIMA: SOUND FOR EUROPE; Schiller und Beethoven. Foto: Thomas Dietz

Begleitung der WLB auf einem Abstecher

Es war ein sehr schöner Kulturausflug, den Natascha Richter, Beiratsmitglied des Vereins und Stadtarchivarin der Stadt Kornwestheim, für den Verein ganz hervorragend organisierte.

Johannes Ellrott, Kulturmanager der Stadt Kornwestheim, stellte uns zunächst sehr anschaulich und unterhaltsam das im Jahr 2013 eröffnete, gegenüber dem Rathausturm liegende Kultur- und Kongresszentrum, „Das K“, das kulturelle und gesellschaftliche Zentrum der Stadt, vor, berichtete über seine Entstehung auf dem ehemaligen Kinogelände „Koralle“ und über das breite Spektrum der dortigen Veranstaltungen. Danach führte er uns durch das sehr weitläufige Gebäude mit seiner modernen technischen Ausstattung und seinen multifunktionalen Räumen. Am beeindruckendsten sind – auch die Stadtbücherei befindet sich in dem Gebäude – der große Festsaal und der schöne Theatersaal mit seinen 420 Plätzen.

Dieser Theatersaal ist auch ein Gastspielort der WLB. So wurde am Vortag unseres Besuchs „Schtonk!“ aufgeführt. Und wir sahen uns – als Herzstück unserer Reise – eine Vorstellung der Jungen WLB an, „Bergkristall“ von Adalbert Stifter in einer Bühnenfassung von Christian Schönfelder. Es ist eine wunderbare, spannende und sehr schöne Bühneneffekte beinhaltende Inszenierung von Jan Müller, herrlich gespielt von Alessandra Bosch und Timo Beyerling.

Den Ausklang des kulturellen Ausflugs bildete ein Besuch zweier interessanter Ausstellungen im benachbarten Kleihues-Bau: „Luzia Simons – Naturgeschichten“, Blüten verschiedener Kontinente, vor allem in der Technik des Scannogramms, und „Farbenrausch. Die Natur des Spätimpressionisten Manfred Henninger“ mit vielen Variationen der Farbigkeit.

Es war wunderbar, darin waren sich alle Teilnehmer des Ausflugs einig, die WLB einmal auf einem Abstecher begleitet zu haben.

Foto: Johannes Ellrott

Welch eine tolle Matinee!

Von links: Marcus Grube, Markus Bartl, Christine Gnann, Wolfgang Clauß. Foto: Thomas Dietz

„Regisseur*innen im Gespräch“ lautete der Titel der von Wolfgang Clauß moderierten gemeinsamen Veranstaltung der WLB und des Vereins der Freunde der WLB im Podium 1 der WLB. Und im Gespräch waren Christine Gnann, Markus Bartl und Marcus Grube, von denen an der WLB wunderbare und sehr beeindruckende Inszenierungen zu sehen waren und zu sehen sind.

Sehr spannend waren die Schilderungen zur Entstehung eines Inszenierungskonzepts, zu den diesbezüglichen Vorüberlegungen – was interessiert die Regisseurin/den Regisseur an einem Stück, welche Aspekte sind ihr/ihm der heutigen Gesellschaft zu erzählen wichtig? –, und zur Frage, wie beweglich ein solches Konzept sein muss. Hochinteressantes erfuhr man zur wichtigen Zusammenarbeit einer Regisseurin/eines Regisseurs mit dem Regieteam, insbesondere mit der Ausstatterin/dem Ausstatter – wie weit gehen die diesbezüglichen Vorschläge der Regisseurin/des Regisseurs? – und mit der Dramaturgie als kritische Begleiterin, die eine wichtige Hilfestellung bei der Entwicklung des Konzepts gibt. Und dann schilderten Christine Gnann, Markus Bartl und Marcus Grube sehr anschaulich die Probenarbeit von der Konzeptionsprobe bis hin zur Generalprobe.

Sehr schön war, dass bei allen Themen immer wieder die konkreten Inszenierungen angesprochen wurden.

Die Matineebesucher erfuhren sehr viel über die Kunst der Regie, über den erforderlichen Ideenreichtum, über das ebenso erforderliche geschickte Händchen in der Zusammenarbeit mit den Schauspielerinnen und Schauspielern, über die Fähigkeit, Sicherheit auszustrahlen, zu motivieren und zu begeistern. Man hätte Christine Gnann, Markus Bartl und Marcus Grube, die über all die Punkte mit leichter Hand, herrlich erfrischend, und doch sehr tief gehend erzählten, noch lange zuhören können.

Ein sehr beeindruckender Probenbesuch

Nach dem großartigen Jubiläumsauftakt der WLB mit den ganz hervorragenden Premieren „Kabale und Liebe“, „Heisenberg“ sowie – Junge WLB – „Der Mäusesheriff“ (Lesekiste) und „Der goldne Topf“ hatten wir gleich zu Beginn der Spielzeit wieder einmal Gelegenheit, eine Theaterprobe zu besuchen. Es war ein Probenabend betreffend „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz in einer Bühnenfassung von Laura Tetzlaff.

Intendant Marcus Grube konnte sehr viele Vereinsmitglieder willkommen heißen. Zunächst bereitete er – bei dieser Produktion auch für die dramaturgische Betreuung verantwortlich – uns im mittleren Foyer der WLB ausgezeichnet auf die Probe vor. Er führte, zum Thema Gedächtnis und Vergangenheitsaufarbeitung etwas weiter ausholend, so anschaulich und sauber strukturiert in den 1968 erschienenen Roman und in die Inszenierung ein, dass schon allein der Auftakt ein großes Erlebnis war. Mit dieser sehr guten Vorbereitung ging es ins Schauspielhaus. Dort erlebten wir unter der Regie von Laura Tetzlaff eine spannende, schon weit vorangeschrittene Probenarbeit. Die Szenen waren sehr beeindruckend und berührend. Und so wurde bei einem anschließenden Nachgespräch mit Marcus Grube die Spannung der Besucher auf die Aufführung sehr deutlich.

Die Theaterpreise des Vereins wurden verliehen

Zu Beginn der WLB-Spielzeiteröffnung „Spaziergang durch den Spielplan“ wurden die Theaterpreise des Vereins für die vergangene Spielzeit verliehen. Wolfgang Clauß führte in Versen ein und machte darin deutlich, dass der Jury auch diesmal – es war bereits die zehnte Theaterpreisverleihung – angesichts der sehr starken Inszenierungen und des grandiosen, toll besetzten Ensembles die Entscheidungen nicht leicht gefallen seien.

Natascha Richter ehrte in der Preiskategorie „Schauspielerin“ Gesine Hannemann. Sie werfe sich immer mit Wucht in ihre Rollen, hinterlasse in jedem Stück einen bleibenden Eindruck, sprühe vor Energie und übertrage diese Energie auf das Publikum. Mit ihrem kraftvollen Spiel füge sie sich perfekt ins Ensemble ein. Sie könne mit enormer Wandlungsfähigkeit alles spielen, egal ob laut oder leise, forsch oder einfühlsam, jung oder alt, Mann oder Frau, Göre oder Dame. Zudem könne sie hervorragend singen, wie sie zum Beispiel in „Struwwelpeter“ unter Beweis gestellt habe. Dort wie auch in „Der Besuch der alten Dame“ habe sie auch ihr komisches Talent gezeigt. Aber das Wichtigste dabei sei, dass alle ihre Figuren authentisch blieben. Gesine Hannemann berühre besonders auch in ernsten Stücken, so wie in der zurückliegenden Spielzeit in „Die Nashörner“ oder in „Die barmherzigen Leut‘ von Martinsried“, wo sie eindrücklich die ältere Anna Baisch gespielt habe.

Thomas Dietz händigte in der Kategorie „Schauspieler“ den Preis Christian A. Koch aus. Der durch viele Film- und Fernsehproduktionen weit über Esslingen hinaus bekannte Schauspieler habe in dieser Spielzeit in fünf Inszenierungen großartige schauspielerische Leistungen gezeigt, in „Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark“ – dort spielte er Leo Jogiches -, in „Shockheaded Peter“ in sechs verschiedenen Rollen, in „Der Besuch der alten Dame“ – dort spielte er den Bürgermeister – und vor allem in „Von Mäusen und Menschen“ als George („we travel together“ – wo er so wunderbar und überzeugend die Linie fand, Lennie einerseits mit harter Hand anzufassen, andererseits aber zu ihm sehr liebevoll zu sein) und in „Ein ganzes Leben“, wo er Andreas Egger total glaubhaft trifft. Der Laudator hob zu Letzterem auch noch auf den wunderbaren Brief Eggers an Marie ab: „Vielleicht siehst Du die Sterne ja auch. Leider muss ich jetzt endigen. Ich schreibe nur langsam und hinter den Hügeln wird es schon hell. Dein Egger“.

Monika Wille überreichte Regisseur Christof Küster den Preis in der Kategorie „Inszenierung“ für die Produktion „Das Urteil von Nürnberg“. Sie hob darauf ab, dass das Thema des Stücks von Abby Mann angesichts der aktuellen politischen Lage in der Welt leider wieder an Tragweite gewonnen habe. Die Inszenierung sei hoch interessant und spannend, die schauspielerischen Leistungen – alle Schauspielerinnen und Schauspieler sind ständig stehend präsent, die Dialoge sind sprachlich großartig – seien hervorragend. Frank Chamiers Bühnenbild, eine graue, schiefe, mit Spalten und Senken stilisierte Trümmerlandschaft, sei ebenso überzeugend wie es seine zeitgemäßen nicht schwarzen, nicht weißen, sondern grauen Kostüme seien. Und berührend sei, wie durch diese Trümmerlandschaft Justitia mit verbundenen Augen wanke, teils schutzlos, fast ängstlich, schwankend, manipuliert, dann wieder rechtschaffend und gerade.

In der Preiskategorie „Kinder- und Jugendtheater“ fiel der Preis an das vierköpfige Theaterpädagogik-Team Barbara Brandhuber, Linda Kreissle, Tobias Metz und Margarita Rudenstein. Die Laudatorin Gabriele Alf-Dietz betonte, da die theaterpädagogische Arbeit mit Kindern und Schülerinnen und Schülern kein Selbstläufer sei, gehe an dieses Team ein besonderer Dank. Die Gesamtkonzeption der Theaterpädagogik sei schlüssig und durchdacht, die Preisträger würden mit dieser alle Altersgruppen von der Vorschule bis zum Oberstufenkurs Literatur und Theater am Gymnasium erreichen. Eine breit gestreute Information über die Arbeit an der WLB zur Inszenierung eines Stückes und zur Arbeit hinter der Bühne – beispielsweise die „Vor- und Nachbereitung eines Theaterbesuchs“ oder der „Blick hinter die Kulissen“ – ermögliche Schulklassen oftmals einen ersten Zugang zum Theater. Und besonders erwähnte die Laudatorin in diesem Zusammenhang den Kulturrucksack für die Klassenstufen 5 und 6, das Angebot der WLB und anderer Kultureinrichtungen in Esslingen, das einer breiten Schülerschaft dank der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Esslingen kostenlos zur Verfügung stehe.