Schauspieler muss mehrfach im See ertrinken

Die erste Theaterprobe der neuen Spielzeit fand zum Stück „Der Trafikant“ in der WLB statt. Die Besonderheit:Es war eine Gemeinschaftsveranstaltung des Vereins mit dem renommierten Esslinger „Dienstagskreis“. Nach der Begrüßung durch Bernd Daferner stellte Charlotte Plischke vom Kreis – übrigens auch Gründungsmitglied des Theatervereins – kurz den „Dienstagskreis“ vor, der bereits in den 50ern von OB Roser begründet wurde. Sie sagte, dass sie, wie alle, die das Buch von Seethaler gelesen haben, nun sehr gespannt seien, wie es in ein Theaterstück umgesetzt werde. Die stückbegleitende Dramaturgin Michaela Stolte berichtete, dass der Autor für die WLB die Theaterfassung erstellt hat und sich auf der Bühne in einer Version alle wechselnden Schauplätze befinden. Eine Stunde beobachtete der höchst interessierte Zuschauerkreis im Schauspielhaus, wie der Regisseur Hans-Ulrich Becker akribisch an einzelnen Szenen feilte. Immer wieder musste der Schauspieler Antonio Lallo vom Blitz getroffen im Attersee ertrinken, bis das Zusammenspiel von Schauspielern, Blitzen und Donnergeräuschen, die live auf der Bühne entstehen, optimal zusammenpasste. Einmal mehr beeindruckend, wie es in aufwendiger Feinarbeit gelingt, dass eine Stimmung entsteht, die die Zuschauer in ihren Bann zieht. Das Nachgespräch im Podium zeigte, dass die Teilnehmer mit Spannung der Premiere entgegenblicken.

Verleihung der Theaterpreise

Vor gut gefülltem Schauspielhaus wurden im Rahmen der WLB-Matinee „Entdeckungsreise durch den Spielplan“ die Theaterpreise des Vereins der Freunde der WLB verliehen.

Bernd Daferner begrüßte und sagte, dass die zweite Spielzeit eines Intendanten in Theaterkreisen sehr gefürchtet sei. Aber Friedrich Schirmer habe zusammen mit einem tollen Ensemble die WLB weiter auf Erfolgskurs geführt. Dem Intendanten bescheinigte er, dass er zu jeder Zeit für sein Theater da war und wie wichtig ihm die Zuschauer seien, deren Zahl wieder einmal deutlich gestiegen sei.

Laudatorin Monika Wille äußerte sich begeistert über das beliebteste Stück ‚Narziß und Goldmund‘. Dieses Traumspiel von der Suche nach sich selbst habe die Jury und sie selbst einfach fasziniert.

Die beliebteste Darstellerin ehrte Erich Saam. „Sie hat grünbraune Augen, hat ihre Ausbildung am Mozarteum in Salzburg gemacht und in ‚Hamlet‘, im ‚Preispokal‘ sowie ‚Tadellöser und Wolf‘ geglänzt. Als das übergroße, projizierte Konterfei von Nina Mohr sichtbar wurde, brandete großer Beifall auf.

Dies war auch beim beliebtesten Darsteller, nämlich Johannes Schüchner, der Fall. Ingrid Vandrée würdigte seine überzeugenden Leistungen im ‚Preispokal‘, in ‚Narziß und Goldmund‘ und im ‚Hamlet‘, wo er den Hauptdarsteller mit Emotionen wie Euphorie und Rachsucht ausgestattet habe.

Den Preis für die Junge WLB überreichte Ulrike Jahn-Sauner. „Die Kurzhosengang“ sei 80mal aufgeführt worden. Das sei doch ein toller Beleg für die Stückauswahl, die Schauspieler und das Interesse junger Menschen an einem spannenden Theaterstück.

Wolfgang Clauß hielt eine gereimte Lobrede auf „Herbstmilch“, das Stück, das einen Sonderpreis der Jury erhielt. Sabine Bräuning sei es meisterlich gelungen, den Roman über das entbehrungsreiche Leben der Bäuerin Anna Wimschneider in nur einer Stunde zusammen mit hervorragenden Darstellerinnen auf die Bühne zu bringen.

 

Shakespeare auf der Maille

Für den Verein der Freunde der WLB sind Freilicht-Theaterproben immer ein Höhepunkt – aber wetterbedingt oft eine Zitterpartie. Doch nach Regengüssen kamen bei dieser Probe erstmals nach langer Zeit Sonnenstrahlen heraus. Der stückbegleitende Dramaturg Matthias Göttfert führte im Podium 2 der WLB in das Stück „Hamlet – Prinz von Württemberg“ ein und berichtete vom Verlauf der Probenarbeiten. Der Autor Jörg Ehni schrieb für die WLB eine schwäbische Fassung des großen Shakespeare-Dramas und verlegte die Handlung an den Hof des württembergischen Königs. Auf der Freilichtbühne konnte man dann feststellen, dass es durchaus möglich ist, Schwäbisch und Hochdeutsch zu mischen. Hamlet spricht hochdeutsch, der Hofstaat mehrheitlich schwäbisch. „Ihr wisst, dr Hamlet hat sich arg verändert. s`´isch rätselhaft. Mir beide denket halt, dass ihn dr Tod von seinem liebe Vatter so schlaucht, dass er sich selber nemme kennt. „ Das eindrucksvolle Spiel der Darsteller ließ dann auch die Fraktion jener, die Hamlet werktreu bevorzugt hätten, schrumpfen. Die Spannung auf die Premiere wuchs. Wolfgang Claus vom Verein dankte Matthias Göttfert und der WLB.

Proben für "Hamlet" - Bild: Roland Geltz

Proben für „Hamlet“ – Bild: Roland Geltz