Der Verein hat zum elften Mal Theaterpreise verliehen

Zu Beginn der Spielzeiteröffnung „Spaziergang durch den Spielplan“ wurden die Theaterpreise des Vereins für die vergangene Spielzeit verliehen. Wolfgang Clauß führte wieder in Versen ein, an deren Ende es heißt: 

Ensemble, Stücke, wunderbar!

Darum fiel der Jury die Wahl

Nicht leicht, wie es in jedem Jahr

Ist, Jury, dreizehn an der Zahl.

Es nehmen, ich halt‘ Sie nicht auf,

Die Laudationes ihren Lauf!

In der Kategorie „Schauspielerin“ ehrte Wolfgang Clauß Elif Veyisoglu.

Sie sei eine großartige Schauspielerin. Bewundernswert sei, wie sie die Charaktere ihrer Figuren ganz hervorragend und einprägsam zu treffen vermöge. Ihr Auftreten sei sprachlich und darstellend stets überzeugend, ob sie in „Tod eines Handlungsreisenden“ als heimliche Geliebte Lomans eine sehr selbstbestimmte Frau spiele oder im Beziehungsdrama „Und wer nimmt den Hund“ in anspruchsvollen Dialogen ebenso stark auftrete wie in Szenen der Sprachlosigkeit, ob sie in „Geschlossene Gesellschaft“ als Postangestellte Inés die Höllenqualen der Schicksalsgemeinschaft erleide oder in „Die Freibadclique“ grandios die Kriegerwitwe Britta spiele oder dort als Badedame einfach, aber eben gerade nicht nur einfach, da sei.

Sie sei auch eine überragende Verwandlungskünstlerin, man denke beispielsweise an ihre drei Rollen in „Die Biene und der Kurt“, die beängstigend strenge Heimleiterin Kämmerle, die Dorfbeizerin Ruppoldinger und den Bauer Erwin, oder an ihre verschiedenen Rollen in „Frank der Fünfte“.

Unvergessen seien vor allem auch ihre Lady Milford in „Kabale und Liebe“, ihre Mutter Frank in „Das Tagebuch der Anne Frank“, ihre sehr einfühlsam gespielte und meisterhaft charakterisierte Rosa Luxemburg in „Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark“. Und ob Jung oder Alt: Wie habe sie uns doch alle als Scrooge in „Frohe Weihnachten“ begeistert, dessen Verwandlung sie glänzend dargestellt habe. Sie sei eine wunderbare Schauspielerin.

Natascha Richter ehrte in der Kategorie „Schauspieler“ Markus Michalik , der einen mit seiner Energie und seinem herausragenden Spiel begeistere und in den Bann ziehe. Er werfe sich mit Haut und Haar und all seinem Können in seine Rollen und mache sich diese voll und ganz zu eigen. Er nehme uns dabei mit auf eine Achterbahn der Gefühle, man leide mit ihm, man lache, man sei unangenehm berührt, habe Mitleid, bekomme Angst, Markus Michalik spiele die Partitur der Emotionen gekonnt mit enormer Ausdrucksstärke und man nehme ihm alles ab. Im Moment der Darstellung sei er seine Bühnenfigur. Mit großer Selbstverständlichkeit und feiner Sensibilität für die Charaktere fülle Markus Michalik, der einfach alles spielen könne, von ernst bis urkomisch, ohne jemals ins Lächerliche abzugleiten, seine Rollen aus.

So habe er als eifriger Kollege und TV-Experte Denis Domaschke in „Goodbye Lenin“ amüsiert, sei absolut überzeugend als widerlicher Graf Helldorff in „Der große Hanussen“ gewesen und habe grandios den Sohn Biff verkörpert, der in „Tod eines Handlungsreisenden“ verzweifelt um die Anerkennung seines Vaters ringe. Und nicht zuletzt könne er sich auch noch hervorragend bewegen, tanzen und singen, wie er als – mit dem Teufel paktierender – Wilhelm in „The Black Rider“ erneut unter Beweis gestellt habe.

Markus Michalik treffe mit seiner Präsenz und seiner Kraft das Publikum unmittelbar mit voller Wucht. Er lasse einen nicht kalt, weshalb ihm für sein einnehmendes vielseitiges Spiel der Preis verliehen werde.

Monika Wille hielt die Laudatio in der Kategorie „Inszenierung“, in der „Gehen oder der zweite April ausgezeichnet und damit als Regisseur Hans-Ulrich Becker und als Ausstatterin Stefanie Seitz geehrt wurden.

Die Thematik dieses Stückes von Jean-Michel Räber enthalte eine große menschliche Tiefe und eine gesellschaftliche Brisanz. Die unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten seien hervorragend, glaubwürdig, bewegend, für den Zuschauer nachvollziehbar dargestellt worden. Schon bei ihrer Rückfahrt nach Hause und noch Tage danach hätten sich ihr die Fragen gestellt: „Was wäre, wenn? Kann man das seinen Kindern zumuten? Darf man das überhaupt so tun und bestimmen? Hat man ein Recht zum Suizid?“ Eine Antwort habe sie keine gefunden oder immer nur ein „Jein“.

Die Inszenierung von Hans-Ulrich Becker mit dem Bühnenbild und den Kostümen von Stefanie Seitz sei empathisch berührend. 

Angela Richter händigte den Preis in der Kategorie „Kinder- und Jugendtheater“ der Leiterin der Jungen WLB Laura Tetzlaff aus. Ausgezeichnet wurde „Das jährliche Zustandekommen einer großartigen Gemeinschaftsproduktion WLB/Junge WLB seit der Spielzeit 2014/2015“.

Anlass für die Auszeichnung sei das in der letzten Saison unter der Regie von Christine Gnann aufgeführte Stück „Die Freibadclique“gewesen, das uns sehr stark beeindruckt habe, nicht zuletzt wegen der überzeugenden Darstellungen der Akteure der Jungen WLB.  Verstärkt durch das Spiel der Schauspieler und Schauspielerinnen der WLB und das ausdrucksstarke Bühnenbild habe uns „Die Freibadclique“ in seiner anfänglichen Unbeschwertheit und gleichzeitigen Beklemmung das Jahr 1944 miterleben lassen. Das selbstverständliche Verschmelzen der Darsteller der jugendlichen Protagonisten auf dem Weg zum Erwachsenwerden mit den Akteuren der „großen“ WLB zu einem Ensemble sei bewundernswert.

Die Gemeinschaftsproduktionen mit ihrer hohen Qualität würden Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen begeistern und böten für diejenigen, die sonst nur wenig Kontakt zum Kinder- und Jugendtheater hätten, eine gute Möglichkeit, einen Einblick in die exzellente Arbeit und die hervorragenden Leistungen der Jungen WLB zu bekommen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit betreffe „Supergute Tage“, „Punk Rock“, „Das Tagebuch der Anne Frank“, „Auerhaus“, „Backbeat“, „Die Biene und der Kurt“, „Was man von hier aus sehen kann“ und jetzt „Die Freibadclique“. Sie sehe der nächsten Gemeinschaftsproduktion freudig gespannt entgegen.

In der Kategorie „Sonderpreis“ wurde ausgezeichnet, „dass an der WLB viele und durchweg wunderbare Musikalische Produktionen zu sehen sind“.

Frank Schwarz führte in seiner Laudatio aus, schon in den vergangenen Jahren habe die musikalische Gestaltung Produktionen geadelt, aus einem interessanten ein ganz besonderes Theaterstück gezaubert. Man denke an „Ring of Fire“, „Doctor Faustus Magical Circus Part II“, „Die Schnabeltassen“ „Ein Sommernachtstraum“, „Elvis“ oder „Back Beat“, wobei die Reihe noch lang weitergeführt werden könnte.

Und doch habe es zweier herausragender Produktionen in dieser Spielzeit bedurft, um die Musikalische Abteilung unseres Theaters in das Blickfeld der Jury zu rücken: „EWIG JUNG“ UND „THE BLACK RIDER“. Ersteres, das Songdrama von Erik Gedeon, das die WLB unter der Musikalischen Leitung von Oliver Krämer in ein Seniorenheim verwandelt habe, in dem die herrlichen Songs der 70-er- und 80-er Jahre in unglaublicher Dynamik zum Leben erweckt worden seien und der Pianist nicht nur virtuos sein Klavier bedient habe, sondern zu einem kongenialen Mitspieler geworden sei.

Und „The Black Rider“, dessen Vorlage „Freischütz“ durch die Bühnenmusik von Tom Waits auf das Feinste entstaubt worden sei, – und dies unter der musikalischen Leitung von Edgar Müller-Lechermann, dem die Kunst gelungen sei, die komplexen Kompositionen des Tonkünstlers Waits mit einem Klein-Kollektiv von 6 hochkarätigen Musikern darzubieten.

Und es gäbe noch eine Vielzahl wunderbarer musikalischer Produktionen aus den zurückliegenden Spielzeiten, die es wert wären, in Erinnerung gerufen zu werden. Man bewundere die Musikalischen Leiter dieser Produktionen, die so oft aus der kleinsten Nische, der kleinsten Besetzung so Großes hervorbrächten und die aus grandiosen Schauspielerinnen und Schauspielern – bisweilen unerwartet – wunderbare Sänger/innen und Musiker/innen werden ließen.

Er sage dazu nur: Einen vielfachen Tusch und unseren besonders herzlichen Glückwunsch zu dem Sonderpreis dieser Spielzeit.


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