Die Theaterpreise des Vereins für die Spielzeit 2017/2018 wurden verliehen

Zu Beginn der WLB-Spielzeiteröffnung „Spaziergang durch den Spielplan 2018/2019“ wurden die Theaterpreise des Vereins für die zurückliegende Spielzeit verliehen. Wieder wurden eine Schauspielerin und ein Schauspieler geehrt, die von einer vom Vereinsvorstand berufenen Jury mehrheitlich gewählt wurden. In gleicher Weise wurde eine Inszenierung ausgezeichnet sowie ein Preis für die Junge WLB und ein Sonderpreis verliehen.

Wolfgang Clauß berichtete, die Jury-Mitglieder hätten sich auch in diesem Jahr angesichts der erneut glanzvollen Spielzeit, der wiederum sehr gelungenen Stückauswahl, der ganz starken Inszenierungen und des großartigen Ensembles, das so wunderbar harmoniere und zusammenhalte, bei der Entscheidung sehr schwer getan.

Monika Wille begründete die Auszeichnung des von Laura Tetzlaff inszenierten Stücks „Frau Emma kämpft im Hinterland“ damit, dass die durch den Krieg verursachte Entfremdung und Sprachlosigkeit, das „Sich nichts mehr zu sagen haben“, dramaturgisch brillant geschliffen, sehr nachdenklich und bewegend in Szene gesetzt worden sei. Alle Schauspieler hätten in ihrer Rolle emotional, facettenreich und einfühlsam überzeugt. Bühnenbild und Kostüme seien bis ins kleinste Detail durchdacht gewesen, die Klangkompositionen hätten die Handlung bestärkt und nachvollziehbar deutlich gemacht.

Thomas Dietz ehrte in der Preiskategorie „Schauspielerin“ Kristin Göpfert. Sie habe in „Hedda Gabler“ und in „Frau Emma kämpft im Hinterland“ eine ganz herausragende Leistung gezeigt. Sie zeichne sich durch eine bestechend klare Sprache und eine vielfältige und variable Sprechkunst aus. Kristin Göpfert schlage die Zuschauer und Zuhörer in ihren Bann.

Natascha Richter händigte in der Preiskategorie „Schauspieler“ den Preis Felix Jeiter aus. Sie führte aus, Felix Jeiter verstehe auf eine ganz besondere Art und Weise, die changierenden Seiten seiner Rollen darzustellen. Sein Spiel sei geprägt von einem jugendlichen Charme, verbunden mit einer großen Ernsthaftigkeit und Reife, wobei er eine ruhige Würde ausstrahle. Die von ihm mit großer Wandelbarkeit verkörperten Charaktere nehme man ihm voll und ganz ab.

Ulrike Jahn-Sauner überreichte den Preis für die unter der künstlerischen Leitung von Marco Süß stehende Junge WLB der Schauspielerin Galina Freund. In „Zwei Schwestern bekommen Besuch“ habe sie mit ihrem humoristischen Talent die großen und kleinen Besucher zum Lachen gebracht, in „Ein Kriegsspiel“ und in „Das Tagebuch der Anne Frank“ habe sie ihre Begabung gezeigt, tragische Schicksale überzeugend zu verkörpern, in „Ein Sommernachtstraum“ habe sie mit Inbrunst demonstriert, wie schmerzlich Herzeleid sein könne.

Christa Müller hielt die Laudatio auf die Inszenierung „Schtonk!“, die mit dem Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Sie enthalte gleich mehrere auszeichnungswürdige Besonderheiten: Die Thematik sei brandaktuell, das Wagnis Bühnen-Uraufführung nach der Filmvorlage sei äußerst gelungen, ein Paradestück von Intendant Friedrich Schirmer und Chefdramaturg Marcus Grube sei der Erhalt der Rechte für diese geniale Bühnenfassung Marcus Grubes. Preiswürdig sei auch die grandiose Regieführung Marcus Grubes mit raschen Szenenfolgen, nicht nachlassendem Schwung, herrlich pointierten Dialogen und einer stets gelungenen Situationskomik. Überaus bemerkenswert seien die hervorragenden Leistungen aller Schauspielerinnen und Schauspieler und das sehr beeindruckende Bühnenbild von Frank Chamier.

Im Elfenwald auf der Maille

Der letzte Probenbesuch in der Spielzeit 2017/2018 galt dem diesjährigen Freilichtstück der WLB „Ein Sommernachtstraum“, einem Musical nach William Shakespeare, in einer Neufassung und mit Songtexten von Heinz Rudolf Kunze und der Musik von Heiner Lürig.

Zunächst führte die stückbegleitende Dramaturgin Anna Gubiani die zahlreich erschienen Theaterfreunde im Podium 2 der WLB sehr gelungen in das Stück ein und bereitete sie geschickt auf die Probe vor. Danach ging es auf die Maille, wo einen die zum Stück passende Anordnung der Zuschauertribünen sofort voll überzeugte. Und dann erlebte man etwa eine Stunde lang eine sehr beeindruckende Probenarbeit unter der Regie von Klaus Hemmerle. Es war der Tag nach der sogenannten AMA (Probe „Alles mit allem“). Sehr interessant war, wie in einer Szene mit Oberon, Titania und Hofnarr Puck sehr gründlich gearbeitet und an Details gefeilt wurde. Herrlich waren die Dialoge und Songs, begleitet vom Musikalischen Leiter Wolfgang Fuhr.

Im Anschluss an die Probe gab es im Podium 2 der WLB ein tolles Nachgespräch zur Probe mit Anna Gubiani und dem Schauspieler Martin Theuer, der an der Probe beteiligt war. Man erfuhr dabei aus erster Hand nicht nur wichtige Dinge betreffend die Probenarbeit in Bezug auf das konkrete Stück, sondern darüber hinaus, sehr anschaulich und sympathisch vorgetragen, das Werden und die Probenabschnitte einer Produktion allgemein.

Am Ende dieses schönen Probenabends  war die große Vorfreude der Probenbesucher auf die Aufführung deutlich zu spüren.

Wenn zwei kontrastreiche WGs aufeinanderprallen

Traditionell lädt die WLB den Verein einmal im Jahr zu einem besonderen Theaterabend ein, dieses Mal zu „Wir sind die Neuen“, der Komödie von Ralf Westhoff, in einer Bühnenfassung von Jürgen Popig, herrlich inszeniert von Klaus-Dieter Köhler. Das Karteninteresse war so groß, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden konnten.

In dem Stück prallen zwei übereinander wohnende, grundverschiedene WGs aufeinander, einmal zwei Studentinnen und ein Student, die sich, karriereorientiert, wenn auch nicht immer geschickt, auf das Examen vorbereiten, und eine Alt-68er-WG, eine Rentnerin und zwei Rentner, die nicht nur aus finanziellen Gründen alte Zeiten wieder aufleben lassen wollen. Das schafft naturgemäß in vielen Dingen nicht lösbar erscheinende Konflikte zweier Generationen. Und dann sorgen Umstände dafür, dass man doch zusammenfindet.

Die raschen Szenen- und Stockwerkwechsel sind in der Inszenierung genial gelungen. Man erlebt ständig köstliche, pointierte Dialoge. Die WGler werden glänzend gespielt, die jungen Streber von Barbara Dussler, Sofie Alice Miller und Felix Jeiter, die Alt-68er von Gesine Hannemann, Lothar Bobbe und Achim Hall. Und die große Spielfreude der Schauspieler wurde allzeit deutlich. Der Funke sprang alsbald auf das begeisterte Publikum über und der anschließende Beifall war riesig. Sehr unterhaltsam waren schließlich die Gespräche mit den Schauspielerinnen und Schauspielern bei einem kleinen Umtrunk nach der Vorstellung.