Spannende Begegnung mit der Kultur am Rande

Traditionell besucht der Verein der Freunde der WLB einmal im Jahr eine andere Esslinger Kultureinrichtung.

Diesmal war es eine Matinee mit Theateraufführung bei „Kultur am Rande“ in deren Domizil, der Alten Spinnerei, direkt am Kanal, kurz vor dem Kommunalen Kino. Bis auf den letzten Platz besetzt war der heimelige Theaterraum, als das Stück „Betriebsstörung“ begann. Zwei Männer bleiben im Aufzug stecken. Der eine ein Finanzberater, geschniegelt mit Aktenkoffer, der andere wohnungslos.

Finanzberater und Wohnungsloser im steckengebliebenen Aufzug. Foto Inge Rieber

Finanzberater und Wohnungsloser im steckengebliebenen Aufzug. Foto Inge Rieber

Trotz entgegengesetzt verlaufender Lebenswege haben sie mehr gemeinsam als gedacht. Die beiden bestens eingestellten Darsteller, Werner Scheck und Werner Bolzhauser, wurden mit langanhaltendem Applaus belohnt. Werner Bolzhauser, der seit 1988 spannende kulturelle Projekte mit und von Wohnungslosen macht, informierte die höchst interessierte Runde nach dem Stück über die vielfältigen Aktivitäten des Vereins.

Auch die letzten 2 Plätze waren bald besetzt. Foto: Inge Rieber

Auch die letzten 2 Plätze waren bald besetzt. Foto: Inge Rieber

Bei einem Glas Sekt und einer Butterbrezel lernten die Mitglieder „Kultur am Rande“ und den Autor des Stücks, Jörg Bida, kennen. Bernd Daferner vom Verein freute sich besonders darüber, dass die neue Kulturamtsleiterin, Dr. Christine Mast, zu der Matinee gekommen war und mit großem Engagement bei den spannenden Gesprächen dabei war. Ein gelungener Sonntagvormittag, der auch noch vom klavierspielenden Autor zu einem fröhlichen kulturellen Happening aufgewertet wurde.

Im Dialog mit Regie und Schauspielern

Auf große Resonanz stieß die Einladung des Vereins zur Matinee „Die Physiker“ im Podium I der WLB, bei der die stückbegleitende Dramaturgin Sandra Bringer, die Regisseurin Sandrine Hutinet, der Ausstatter Nicolaus-Johannes Heyse und die Schauspieler Susanne Weckerle, Ralph Hönicke, Robert Eder und Stefan Fent spannend und unterhaltsam in die groteske Dürrenmattsche Komödie „Die Physiker“ und das Regiekonzept einführten.

Die aktuelle Interpretation: Es wird ein Sog hergestellt, der die Gedanken in die Risikozentren des 21. Jahrhunderts lenkt. Der gefährliche Irrglaube soll entlarvt werden, dass eine formelhafte Berechnung des Lebens – egal ob Partnerwahl, Einkauf oder Aktienhandel weder sinnvoll noch möglich ist.

WLB: Im Dialog mit Regie, Schauspielerinnen und Schauspielern

WLB: Im Dialog mit Regie, Schauspielerinnen und Schauspielern

Christa Müller lud im Namen des Vereins der Freunde der WLB im Anschluß zu einem kleinen Empfang ins obere Foyer, wo die Teilnehmer in gemütlichem Rahmen sich mit Schauspielerinnen und Schauspielern und dem Regieteam unterhalten und persönlich kennenlernen konnten. So kreisten die engagierten Gespräche von der Erreichbarkeit der „Weltformel“ im Irrenhaus bis zu der individuellen Rolleninterpretation der Schauspieler.

Angela Richter überreicht der Regisseurin Sandrine Hutinet den Theaterpreis für die Inszenierung von „Effi Briest“. Foto: Inge Rieber

Angela Richter überreicht der Regisseurin Sandrine Hutinet den Theaterpreis für die Inszenierung von „Effi Briest“. Foto: Inge Rieber

Zwischendurch überreichte Angela Richter vom Verein Sandrine Hutinet den Theaterpreis des Vereins für die Inszenierung von „Effi Briest“, das zum beliebtestes Theaterstück der letzten Spielzeit gewählt worden war. Die Regisseurin erwiderte in ihren Dankensworten, dass ihr die Auszeichnung viel bedeutet und schilderte wie viel Freude ihr seit Jahren die Arbeit in Esslingen macht, weil sie hier die Freiheit der Interpretation in bester Form immer wieder erlebt hat.

Theaterpreis für „Effi Briest“

Preisverleihung 2013

Bühnenprogramm bei der Preisverleihung. Foto: Roland Geltz

Bühnenprogramm bei der Preisverleihung. Foto: Roland Geltz

Beim großen Theaterfest zur Spielzeiteröffnung verlieh der Verein im gut besuchten Schauspielhaus, umrahmt von einem kleinen Bühnenprogramm, die Theaterpreise für die letzte Spielzeit. Entschieden hatte eine engagierte Jury aus Mitgliedern des Vereins, unterstützt durch weitere Mitglieder.

Matthias Zajgier erhält von Monika Wille die Urkunde. Foto: Roland Geltz

Matthias Zajgier erhält von Monika Wille die Urkunde. Foto: Roland Geltz

Bernd Daferner lobte das ganze engagierte und talentierte Ensemble. Beliebtestes Stück wurde „Effi Briest“ in der Regie von Sandrine Hutinet, beliebteste Schauspielerin Lara Beckmann, beliebtester Schauspieler Matthias Zajgier. Sonderpreise gab es für das Kinder-und Jugendtheater mit Martin Frolowitz als „Herr Bello“ und die Werkstätten der WLB für gelungene Bühnenbilder.

Preisverleihung-des-Theaterpreis-2013-1

Erich Saam überreicht den Sonderpreis für die WLB-Werkstätten für gelungene Bühnenbilder an den Technischen Leiter Dieter Höfer. Foto: Roland Geltz

Die Jurymitglieder Angela Richter, Christa Müller, Natascha Richter, Monika Wille und Erich Saam würdigten in kurzen Reden die jeweiligen Preisträger. Intendant Manuel Soubeyrand wies auf die großen Feierlichkeiten zum Jubiläum „150 Jahre festes Theater in Esslingen“ im April 2014 hin, das von WLB und Verein gemeinsam gestaltet wird.