Das Theaterjubiläum im Film festgehalten

Ein gut gefülltes Schauspielhaus in der Württembergischen Landesbühne (WLB) war der festliche Rahmen für die Präsentation des Jubiläumsfilms „150 Jahre festes Theater in Esslingen“ durch den Filmamateurclub Esslingen (FACE) und den Verein der Freunde der WLB.

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v.l.n.r. Bernd Daferner, der Vorsitzende des Verein dankt den Mitgliedern des Filmclub für den begeisternden Film
Foto © Ingeborg Rieber

So bleibt das Großereignis vom Vorjahr mit knapp 40 Programmpunkten an vielen Plätzen der Innenstadt und der WLB – von 10 Uhr bis lange nach Mitternacht – der Nachwelt erhalten. Bernd Daferner vom Verein freute sich auch über zahlreiche Mitwirkende des Jubiläums, die sich vom Liederkranz über Spielclubs, Theatergruppen, Künstler, Promis und begeisterungsfähige Esslinger mit Spielszenen und anderen Aufführungen zum Lobe des Theaters zusammengetan hatten.

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Lore Pfeiffer, die Vorsitzende des Filmclubs und Bernd Daferner
Foto © Ingeborg Rieber

Lore Pfeiffer , Vorsitzende des FACE, schilderte die Filmentstehung durch ein Team um Klaus-Wilhelm Schadow, das sich mit großer Begeisterung und fünf Kameras auf den Weg gemacht hatte um schließlich über fünf Stunden Material im Kasten zu haben. Daraus gestaltete Klaus Schadow in aufwendiger Schnittarbeit einen höchst unterhaltsamen 20-minütigen Film mit Edda Höfer als Moderatorin, der vom Publikum mit reichem Beifall bedacht wurde. Der Schauspieler Klaus Lerm, der das Jubiläum angeregt hatte, schilderte, was das Esslinger Wochenblatt vor 150 Jahren Launisches über das neue Theater schrieb.

Christa Müller, stellvertretende Vorsitzende des Theatervereins, bat zu einem Talk mit Gestaltern, Filmern und Mitspielern des Jubiläums. Durch alle Gespräche zog sich wie ein roter Faden die Begeisterung für das Theater und das Spielen und die große Bedeutung der WLB für die Stadt und ihre Menschen. Im Foyer waren Fotos bekannter Darsteller, die an der WLB gewirkt haben, ausgestellt, von Barbara Rütting über Nina Hoss bis Jan Fedder und Francis Fulton-Smith. An einer historischen Fotowand konnte man sein eigenes Jubiläumsfoto machen. Für alle Mitwirkenden und Unterstützer, wie etwa das Stadtarchiv, gab es eine DVD als Dankeschön und Erinnerung.

„Alte Liebe“ mit Wiedererkennungswert

Traditionell lädt die WLB einmal im Jahr den Verein zu einem ganz besonderen Theaterabend ein, diesmal zu „Alte Liebe“, einem Stück von Elke Heidenreich.

Kein Wunder, dass kein Platz im Podium mehr frei war, als ein Paar die Bühne betrat, in dem sich mancher Zuschauer ein wenig wiedererkannte. Lore und Harry lieben sich seit über vierzig Jahren. Mal mehr, mal weniger. Jetzt im Ruhestand stellen sich Fragen. Was ist passiert? Mit ihr? Mit uns? Und: Kommt da noch was? Elke Heidenreich erzählt die Geschichte eines Paares, das sich in den wilden Sechzigern kennen und lieben gelernt hat und jetzt zwischen Rittersporn und Giersch den Stillstand fürchtet. Und bald entsteht durch das differenzierte Spiel des gut aufgelegten Schauspielerpaares eine seltsame Übereinkunft zwischen Zuschauern und den Protagonisten. Wieder einmal das Besondere eines gelungenen Theaterabends: Die positive Reaktion der Zuschauer, das Mitgehen spürt man auf der Bühne und spornt die Darsteller zu besonderen Leistungen an.

Bernd Daferner vom Verein der Freunde dankte der WLB und den Schauspielern Ursula Berlinghof und Achim Hall und lud sie noch an die Bar ins WLB-Foyer ein. Dort gab es bei kühlen Getränken spannende Gespräche zwischen höchst interessierten Zuschauern und den Künstlern, die selbst auch viel Freude daran hatten und erfuhren, dass sie von vielen Theaterliebhabern umringt waren, die zwar nicht Lore oder Harry hießen, aber wissen ließen, dass beide Schauspieler den glaubwürdigen Ton trafen, der die Zuschauer zum Mitfühlen, Mitdenken und Mitlachen brachte und fröhlich, aber auch nachdenklich aus dem Theater entließ.

Begeisterung für das neue WLB-Ensemble

Nach dem fulminanten Start der WLB in die neue Spielzeit stieg das Interesse rapide, das neue Ensemble auch persönlich kennenzulernen.

Deshalb luden der Verein der Freunde der WLB und die WLB zu einer Matinée. Wie viel Begeisterung die neue Truppe bereits ausgelöst hat, zeigte sich darin, dass selbst an einem sonnigen Sonntagvormittag das Schauspielhaus mit einem gespannten Publikum nahezu voll besetzt war.

Bernd Daferner vom Verein der Freunde der WLB hieß das neue Ensemble mitsamt dem neuen Intendanten Friedrich Schirmer herzlich willkommen. Lachend meinte er, dass das Esslinger Publikum das beste weit und breit sei. Der Hausherr Friedrich Schirmer erwiderte, dass er das aus seiner ersten Intendanz in Esslingen nur bestätigen könne und die herzliche und begeisterte Aufnahme das Ensemble außerordentlich motiviere und ihn persönlich sehr berühre.

Durch den Intendantenwechsel von Manuel Soubeyrand zu Friedrich Schirmer waren es besonders viele neue Gesichter, die in einem facettenreichen Reigen einen mit viel Beifall bedachten Vormittag gestalteten. Jeder hatte sich Szenen oder musikalische Beiträge ausgedacht, die vom Slapstick bis zur philosophischen Annäherung an Hannah Arendt reichten.

Musikalisch war alles vertreten vom Chanson über Balladen bis zum schwäbischen Chorgesang. Auch eine Neuerung, dass gleich eine Reihe von Darstellern dabei ist, die das Schwäbische „saumäßig“ gut beherrschen. Und man hatte den Eindruck, dass die Neuen sich mit jenen Akteuren gut verstehen, die aus den seitherigen Spielzeiten bestens bekannt sind.

Im Anschluss an die Vorstellung des neuen Ensembles lud der Verein der Freunde der WLB zu einem Stehempfang ins Obere Foyer. Und eine große Zahl von Zuschauern nutzte die Gelegenheit in gemütlichem Rahmen mit den Schauspielern zu plaudern.

„Wie war Ihr Name nochmal“, war wahrscheinlich die meistgehörte Formulierung. Dazu gab es viele Komplimente für die Akteure, die merkten, dass sie hier auf ein Publikum treffen, das Theater und die Schauspieler mag und sich mit den Stücken konstruktiv-kritisch auseinandersetzt.