Die Theaterpreise des Vereins wurden verliehen

Zu Beginn der WLB-Matinee „Entdeckungsreise durch den Spielplan“ wurden die Theaterpreise des Vereins für die vergangene Spielzeit verliehen. Geehrt wurden eine Schauspielerin und ein Schauspieler, die einer vom Vereinsvorstand berufenen Jury mehrheitlich am besten gefallen haben. In gleicher Weise wurde ein Stück ausgezeichnet sowie ein Preis für die Junge WLB und ein Sonderpreis verliehen.

Wolfgang Clauß machte im Rahmen seiner Einführung deutlich, dass angesichts der erneut glanzvollen Spielzeit, der sehr gelungenen Stückauswahl, der unglaublich starken Inszenierungen und des großartigen, toll besetzten Ensembles den Jury-Mitgliedern die Entscheidungen nicht leicht fielen.

Natascha Richter begründete die Auszeichnung des von Christof Küster inszenierten Stücks „Hiob“ mit einer hervorragenden Umsetzung des Stoffs durch eine feine Regie, mit Marion Eiseles ausdrucksstarkem Bühnenbild, mit den von ihr in einem Guss entworfenen Kostümen und mit einem intensiven Zusammenspiel des Ensembles. Dieses Stück habe sich in seiner ganzen unmittelbaren Wucht förmlich eingebrannt.

Ingrid Vandrée bedankte sich in ihrer Laudatio auf die beliebteste Schauspielerin bei Sabine Bräuning. Sie habe im Stück „Der Trafikant“ ganz wesentlich zu einer Sternstunde der Theaterkunst beigetragen, in „Die Auferstehung“ sei sie die ebenso straighte wie hysterische, donnernd fulminante Familienmanagerin gewesen und in „Schnabeltassen“ habe sie als die im Herbst des Lebens stehende Veronika Bodega brilliert. Sie sei eine wunderbare Schauspielerin, die uns mit ihrer Kunst immer wieder zum Nachdenken, zum Lachen und zum Weinen gebracht habe.

Als beliebtesten Schauspieler ehrte die Jury Marcus Michalski. Christa Müller hob auf seine große Wandlungsfähigkeit und Einfühlsamkeit ab. Er beherrsche ein breites Spektrum an Charakteren von der Komik bis zur Tragödie. In der vergangenen Spielzeit habe er vor allem in der sehr schwierigen Rolle des Menuchim Singer in „Hiob“ brilliert. Aber auch in der Rolle des Oscar Federle in „Fatal! Fatal! Mord auf dem Schillerplatz“ und in diversen Rollen in „Doctor Faustus‘ Magical Circus Part II“ habe er sehr überzeugt.

Ulrike Jahn-Sauner händigte den Preis für die unter der künstlerischen Leitung von Marco Süß stehende Junge WLB aus. Er fiel auf Alessandra Bosch und Daniel Großkämper mit dem Projekt „Lesekiste“. Es sei ein Team, das ohne viel Schnickschnack geheimnisvolle Welten und Wesen zum Leben erwecken könne, ganz ohne Requisiten, ganz ohne Theaterbühne, nur mit Witz und Spiellaune, in Klassenzimmern und Bibliotheken in ganz Baden-Württemberg, 250 Mal im Jahr.

Einen Sonderpreis erhielt Reinhold Ohngemach für seine jahrzehntelange Schauspielkunst, davon viele Jahre – auch schon während der ersten Intendanz Friedrich Schirmers an der WLB – in Esslingen, und insbesondere für die Darstellung des Mendel Singer in „Hiob“. Monika Wille bezeichnete es als eine ganz besondere Ehre, diesen Meister seines Fachs auszeichnen zu dürfen, den man in vielen großartigen Charakterrollen habe erleben dürfen, zuletzt unter anderem in „Die Bauernoper“, „Schnabeltassen“, „Die Auferstehung“, „Luther“ und vor allem grandios in seiner Titelrolle in „Hiob“.

 

Theaterprobe „Luther“ auf dem Kessler-Platz

Es war eine unglaublich große Zahl von Mitgliedern, die Chefdramaturg Marcus Grube bei einer Theaterprobe zum Freilichtstück „Luther“ begrüßte. Und zur großen Überraschung nahm sich auch Jörg Ehni, der Autor des Stücks, Zeit für die theaterbegeisterten Besucher.

Marcus Grube und Jörg Ehni führten im oberen Foyer der WLB sehr anschaulich, kurzweilig und sich herrlich die Bälle zuspielend in das Stück ein. Danach ging es zum Kessler-Platz, wo man schon hinsichtlich der Bühne und der Anordnung der Zuschauertribünen fasziniert war. Es war der Probenabend vor der sogenannten AMA (Probe „Alles mit allem“). Die Vereinsmitglieder konnten eine spannende Probe unter der Regie von Marcel Keller betreffend eine sehr beeindruckende Szene mit dem Ablassprediger Johann Tetzel miterleben.

Ein interessantes Nachgespräch mit Marcus Grube und Jörg Ehni rundete den außerordentlich schönen Probenbesuch ab. Und deutlich war zu spüren, mit welch großer Vorfreude und Spannung die Vereinsmitglieder der Aufführung entgegensehen.

Besuch der 50er-Jahre-Ausstellung

Für die Fortsetzung der Tradition des Vereins, einmal im Jahr eine andere Esslinger Kultureinrichtung zu besuchen, bot sich in dieser Spielzeit das Stadtmuseum im Gelben Haus an, ist doch dort derzeit die sehr ansprechende Ausstellung „Erinnerung eines Jahrzehnts. Esslingen in den 50er-Jahren“ zu sehen.

Martin Beutelspacher, der Leiter der Städtischen Museen, stellte in seiner sehr interessanten, kurzweiligen Begrüßung das Gelbe Haus vor. Danach führte die Kuratorin Julia Opitz die fast 50 Teilnehmer sehr strukturiert und unterhaltsam in die Ausstellung ein.

Und dann begann die Reise zurück in das genannte Jahrzehnt. Dieses wurde wieder lebendig durch Fotos und Geschichten, vor allem aber durch Objekte jener Zeit, Einrichtungsgegenstände wie Nierentisch, Tütenlampe und Blumenständer, Haushaltsgegenstände wie Bowle-Service und Salzstangenhalter, Geräte wie Fernseher mit kleiner Bildfläche und Tefifon. Lebendig wurde das Jahrzehnt aber auch durch die vielen Beiträge der Teilnehmer, die in  herrlichen Gesprächen gegenseitig Erinnerungen wach werden ließen.

Wolfgang Clauß vom Theaterverein rundete mit seinem Gedicht „Ach, weißt du denn, wie damals war …“ die Veranstaltung ab. In Form von Versen erschienen unter anderem das Nadelöhr, welches der Bus in Richtung RSK  durchfahren musste, der erste Eiswagen auf dem Marktplatz, die obere und untere Maille, geteilt durch die platanengesäumte Vogelsangstraße, die Eröffnung des Neckarfreibads, des Landolinshofs, des Jazzkellers und der Schelztorhalle, die Kinovielfalt, Kugels Saal, das Café Eitel mit seinem Springbrunnen und das auch in der Ausstellung zu betrachtende Freya-Küchenbad – „… wenn ja, Terrazzo-Spültisch raus, und hochklappbarer kam ins Haus, und drunter, welch‘ Idee, zu loben, klein Badewanne ward geschoben …“