Besuch der Theaterprobe „Schtonk!“

Die Einladung zu unserem zweiten Besuch einer Theaterprobe in dieser Spielzeit fand bei den Mitgliedern ganz großen Anklang. Wolfgang Clauß konnte wieder eine sehr stattliche Zahl von Probenbesuchern begrüßen, von denen sich die meisten an die dem Stück zugrunde liegenden Vorgänge gut erinnerten, den Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher und die Veröffentlichung diesbezüglicher Auszüge durch das Wochenmagazin Stern im Jahr 1983. Und viele hatten auch 1992 den Film von Helmut Dietl und Ulrich Limmer gesehen.

Anja Massoth, die stückbegleitende Dramaturgin, gab uns eine großartige, sauber strukturierte Einführung in das Stück, dessen Bühnenfassung der Chefdramaturg der WLB, Marcus Grube, geschrieben hat. Sie berichtete auch über die Erlangung der Rechte für diese Produktion und hob auf den Reiz ab, diese groteske und geniale Komödie mit spannenden Dialogen nun erstmals als Bühnenerlebnis zu präsentieren.

Marcus Grube, der auch Regie führt, begrüßte uns anschließend im Schauspielhaus. Etwa eine Stunde lang erlebten wir eine sehr spannende Probenarbeit. Es war äußerst beeindruckend, wie in den drei Szenen, die wir miterlebten, ideenreich gearbeitet und sehr sorgfältig vorgegangen wurde.

Der schöne Probenabend, den ein ergänzendes Gespräch mit Anja Massoth abschloss, bewirkte bei den ohnehin schon sehr gespannten Probenbesuchern noch eine Steigerung der Vorfreude auf die Uraufführung.

 

Gute Dramaturgie ist unsichtbar

Das war ein sehr schöner Vormittag!

In einer wunderbaren Matinee im voll besetzten Podium 1 der WLB, die den Titel trug „Gute Dramaturgie ist unsichtbar“, gab es sehr interessante Einblicke in das Berufsfeld der Dramaturgie. Obwohl Dramaturginnen und Dramaturgen die große Konstante eines Theaters sind, kennen auch langjährige Theaterbesucher oft nur Teile ihrer Aufgaben.

Chefdramaturg Marcus Grube und die Dramaturginnen Anna Gubiani, Michaela Stolte und Stephanie Serles  von der WLB Esslingen machten in der von Bernd Daferner und Wolfgang Clauß moderierten gemeinsamen Veranstaltung der WLB und des Vereins der Freunde der WLB diese Aufgaben sichtbar, auch ganz konkret in Bezug auf Stücke, die an der WLB zu sehen waren und zu sehen sind. In vielfacher Weise stellten sie sehr anschaulich, kurzweilig und immer auch mit einer heiteren Note die Schönheit und das Reizvolle dieser wichtigen Tätigkeit dar.

So erfuhren die Matineebesucher unter anderem Interessantes zur Spielplangestaltung und zum Stücklektorat. Den breitesten Raum nahm der Bereich Produktionsdramaturgie ein, der Stückbegleitung vom Beginn der Probenarbeit bis zur Generalprobe. Dieser ganz wichtige Aufgabenteil beginnt mit der Überführung der intellektuellen Arbeit der Dramaturginnen und Dramaturgen in die Praxis des Theaters. Sehr spannend war, von möglichen Spannungsfeldern zu hören, produzieren doch Dramaturginnen und Dramaturgen einerseits mit, sind sie aber andererseits immer die ersten Zuschauer und Kritiker.

Den Matineebesuchern war schnell klar, dass man, um die erforderliche Balance halten zu können, viele Fähigkeiten benötigt, Fantasie, Gespür für Form und Ästhetik, Kontaktfreude und Teamfähigkeit, aber auch auf Distanz gehen zu können, Überzeugungskraft und vor allem Diplomatie. In diesem Zusammenhang waren auch die ganz unterschiedlichen Berichte über den jeweiligen beruflichen Werdegang sehr interessant.

Man hätte dem Chefdramaturgen und den drei Dramaturginnen noch lange zuhören können, wie auch der große Beifall für sie zeigte. Und so nahmen die begeisterten Matineebesucher gern die Gelegenheit zu Gesprächen mit ihnen bei einem anschließenden kleinen Umtrunk wahr.

Von links: Bernd Daferner, Marcus Grube, Anna Gubiani, Michaela Stolte, Stephanie Serles, Wolfgang Clauß. Foto: Gabriele Alf-Dietz

Besuch der Theaterprobe „Der Seewolf“

Nach dem  glänzenden Auftakt der WLB in der Spielzeit 2017/2018  mit „Der stumme Diener“, „Hedda Gabler“ und  „Wir Mädel singen“  fand unser erster Probenbesuch in dieser Spielzeit statt. Wir besuchten eine Probe zu „Der Seewolf“, einem Stück nach dem Roman von Jack London in einer Adaption von Tom Blokdijk.

Wolfgang Clauß konnte im Podium 1 der WLB sehr viele Mitglieder willkommen heißen, davon einige, die den Roman gelesen und viele, die den Fernsehfilm mit Raimund Harmstorf in der Hauptrolle gesehen hatten.

Zunächst bereitete uns die stückbegleitende Dramaturgin Michaela Stolte ganz hervorragend auf die Probe vor. Sie brachte uns Leben und Werk von Jack London näher, um danach sehr geschickt die interessanten, ideenreichen Besonderheiten der Bühnenadaption darzustellen. Sehr beeindruckend und fesselnd war dann im Schauspielhaus die Probenarbeit unter der Regie von Daniel Wahl. Sie war dazuhin auch abwechslungsreich, konnten wir doch eine Szene erleben, in der sehr sorgfältig gefeilt wurde, und eine recht zügige Passage. Man hatte herrliche Einblicke in eine eindrucksvolle Regieführung und in die Umsetzung toller Ideen. Und angesichts dieser Eindrücke fiebern die Probenbesucher der Aufführung entgegen und sind gespannt auf das Aufeinanderprallen des schiffbrüchigen Schöngeistes und Literaturkritikers Humphrey van Weyden mit dem brutalen, menschenverachtenden Kapitän des Robbenfängers „Ghost“, Wolf Larsen, der aber andererseits, auch wegen seiner hohen Intelligenz, van Weyden auch fasziniert.