Nach einer langen coronabedingten Pause ermöglichten uns die Intendanten Marcus Grube und Friedrich Schirmer, wieder einmal eine Probe der Württembergischen Landesbühne zu besuchen: „The Black Rider“ auf dem Kessler-Platz. Friedrich Schirmer freute sich sehr, unglaublich viele Theaterfreunde endlich wieder bei einer Probe begrüßen zu können.
Zunächst führte die stückbegleitende Dramaturgin Barbara Schöneberger im Podium 2 der Württembergischen Landesbühne sehr fundiert, klar und gleichzeitig unterhaltsam in das Stück ein. Die Schilderung der Entstehung des Stücks und der anschauliche Einblick in Leben und Werk von Tom Waits waren eine sehr gute Vorbereitung für den Besuch der Probe und auch für die Aufführung.
Das Probenerlebnis war ein Genuss. Es war insofern etwas ganz Besonderes, als man sicher selten Gelegenheit hat, Probenabschnitte, bei denen rhythmische Schrittfolgen und Abläufe einstudiert werden, zu sehen. Die Arbeit der Choreografin Annika Dickel war sehr beeindruckend. Und ebenso beeindruckend war, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler die Anweisungen mit Freude umsetzten. Die große Spielfreude aller und die tolle Stimmung im Ensemble waren herrlich anzusehen.
Sehr schön war auch, dass uns in einer kurzen Pause Regisseur Christoph Biermeier und der Musikalische Leiter Edgar Müller-Lechermann so nett begrüßten. Und Christoph Biermeiers lobende Worte über das wunderbare Theater Württembergische Landesbühne und sein großartiges Ensemble, man möge dies alles sehr schätzen, lösten großen Beifall aus.
Der Besuch des schönen Probenabends wird noch lange nachhallen. Man spürte, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer glücklich waren, wieder einmal ganz nah an der WLB dran zu sein, was nach einer langen Probenbesuchspause sehr gutgetan hat. Und sichtbar war die große Vorfreude auf die Aufführungen.
Bei der gut besuchten Mitgliederversammlung betonte Dr. Wolfgang Clauß als Vorsitzender zunächst erneut, sich über das wunderbare, rundum faszinierende Theater WLB zu äußern heiße, sich in ständigen Superlativen zu bewegen.
Er berichtete über die durchgeführten Veranstaltungen des Vereins, die Besuche von Theaterproben, einen gemeinsamen Theaterabend, Theaterpreisverleihungen, eine Matinee „Regisseurinnen und Regisseure im Gespräch“, den Besuch des LIMA, die Begleitung der WLB auf den Abstecher „Das K“ in Kornwestheim und über einen Online-Gesprächsabend mit den beiden Intendanten Friedrich Schirmer und Marcus Grube. Ferner berichtete er über die Ausstellung „20 Jahre Verein der Freunde der WLB“. Und schließlich ging er auf die ideelle und finanzielle Förderung der Belange der WLB, das satzungsgemäße Hauptziel des Vereins, ein.
Schatzmeister Dr. Thomas Dietz erstattete den Kassenbericht. Otto Blumenstock trug als Kassenprüfer mit lobenden Worten den Prüfbericht vor. Auf seinen Antrag erfolgte die Entlastung des gesamten Vorstands.
Unter der Wahlleitung von Roland Geltz wurde folgender Vorstand gewählt:
Dr. Wolfgang Clauß als 1. Vorsitzender, Bernd Daferner und Christa Müller als Stellvertreter*in, Dr. Thomas Dietz als Kassenführer, Barbara Braun-Nickel als Öffentlichkeitsreferentin und Natascha Richter als Schriftführerin.
Der große Höhepunkt der Mitgliederversammlung war das von Dr. Clauß moderierte Gespräch mit Sabine Bräuning und Reinhold Ohngemach, einer wunderbaren Schauspielerin und einem wunderbaren Schauspieler, an deren großen Schauspielkunst wir uns an der WLB schon seit vielen Jahren erfreuen. Die Theaterfreunde erlebten einen kleinen Reigen der Schauspielgeschichte des Ehepaars, das sich während der ersten Esslinger Intendanz Friedrich Schirmers kennenlernte. Man durchdrang gesprächsweise viele Inszenierungen, an denen die beiden beteiligt waren und sind. Sehr erfrischend war, diese Inszenierungen noch einmal und vor allem auch aus der Sicht Sabine Bräunings und Reinhold Ohngemachs erleben zu dürfen. Und in dem lebendigen und heiteren Gespräch erfuhr man auch, dass sie gern in Inszenierungen zusammen spielen. Sehr interessant war die Darstellung des Reizes der Bühne einerseits und des Filmens andererseits, und hervorgehoben wurde auch die so schöne unsichtbare Kommunikation zwischen Publikum und Schauspielerin und Schauspieler, die es naturgemäß nur beim Theater gibt. Am Ende erzählte Sabine Bräuning, die selbst schon einige Stücke – auch an der WLB – inszenierte, von den Reizen, zu inszenieren. Das abschließende Dankesgedicht von Dr. Clauß gipfelte in Bezug auf das wunderbare Gespräch mit den Versen „Denn das ist spannend, köstlich und – viel mehr noch: eine Feierstund‘.“

Das war eine sehr schöne Idee der Intendanz, die Mitglieder des Vereins der Freunde der WLB zu einem Online-Gespräch mit dem Thema „Theater in Corona-Zeiten – Rückblick und Aussicht“ einzuladen.
Die Intendanten Marcus Grube und Friedrich Schirmer gaben zunächst einen Rückblick auf die bedauerliche Beeinträchtigung der Jubiläumsspielzeit 2019/2020 durch die Corona-Pandemie, beginnend mit der Absage einer ausverkauften Vorstellung der Inszenierung „Das Licht“ Mitte März 2020, einer Geschichte, in der es – als habe man das Hereinbrechen des Virus geahnt – um die große Krankheit, verursacht durch Flöhe im Kaninchenfell, geht. In Erinnerung gerufen wurde der hoffnungsvolle Wiederbeginn am 20. Juni 2020 mit den großartigen Inszenierungen „Antigone“ und „Die Mitwisser“ auf der Basis eines ausgeklügelten Hygienekonzepts für Schauspieler*innen und Publikum, der ebenso hoffnungsvolle Start in die Spielzeit 2020/2021 u.a. mit den herrlichen Produktionen „Der Vorleser“ und „Die Biene und der Kurt“, aber auch der erneute Lockdown und die bisher letzte Vorstellung der laufenden Spielzeit am 31. Oktober 2020, wieder „Das Licht“.
Bedauerlich ist natürlich auch, dass die Pandemie den Spielbetrieb der Jungen WLB, die Schulkooperationen, Lesekisten und Klassenzimmerstücke gleichfalls nach wie vor heftig beeinträchtigt.
Leider hat Corona das ganz große Ergebnis bei den Besucherzahlen der Jubiläumsspielzeit verhindert, konnte die WLB bis zum Lockdown im März 2020 doch schon 76 406 Zuschauer verzeichnen!
Darin, dass ein Theater im Netz das analoge Theatererlebnis nicht ersetzen kann, waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig. Dennoch freut man sich an der WLB und im Theaterverein, dass es z.B. „Quaranszenen“, „Der goldne Topf“ und „Ein ganzes Leben“ online gab und die WLB vom 1. bis 31. Mai 2021– mit Unterstützung des Vereins der Freunde der WLB – „Wunder in Amerika“ online zeigt, die Verfilmung einer wunderbaren Inszenierung aus der ersten Intendanz Friedrich Schirmers an der WLB.
Schön zu hören war, dass die Stimmung an der WLB sehr gut ist, was sicher auch damit zusammenhängt, dass Proben stattfinden können, freilich stets nach täglicher Testung und unter Beachtung strenger Corona-Regeln, und die Werkstätten durchgearbeitet haben. So sind doch etliche Stücke schnell abrufbar, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden darf. Dass die Umstände Letzteres bald wieder zulassen, hofft man an der WLB und im Verein natürlich sehr.


